Schwindel (Vertigo): Formen, Ursachen & Behandlung

Aug, 25, 2020

Definition: Was versteht man unter Schwindel?

Unter Schwindel versteht man eine Störung des Gleichgewichtssinns. Bei Schwindel oder lateinisch Vertigo empfindet der Betroffene ein Schwanken und Drehen, auch bekannt als Schwindelgefühl. Wenn eine Person einen Schwindelanfall hat, glaubt er sich nicht mehr sicher durch den Raum bewegen zu können, da sein Gleichgewichtssinn beeinträchtigt wird. Schwindel kann außerdem Erbrechen oder Übelkeit hervorrufen.  

Gleichgewichtssinn: Wie entsteht Schwindel?

Schwindel entsteht oft dann, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen von den drei Sinnesorganen erhält, die das Gleichgewichtsempfinden und die räumliche Orientierung verbinden. Sie setzen sich zusammen aus dem Vestibularapparat, dem Gleichgewichtsnerv und den Tiefenrezeptoren. Der Vestibularapparat befindet sich im Innenohr und ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, die die Sinneszellen an den Wänden bei Bewegungen und Drehungen reizt. Der Gleichgewichtsnerv leitet diese Reize nun an das Gehirn weiter. Die Reize der Augen gehen dort auch ein und informieren, wie sich der Horizont bewegt. Die Tiefenrezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken teilen dem Gehirn mit, wie der Körper Schwankungen ausgleichen muss. Wenn das Gehirn die eingehenden Signale nicht richtig verarbeiten kann, tritt ein Schwindelgefühl auf. 

Schwindelarten und Schwindelanfälle

Es gibt verschiedene Arten von Schwindel, die verschiedene komplexe Ursachen haben. Bei der Untersuchung wird der Schwindel zunächst in Schwindeltypen zugeordnet, um die möglichen Ursachen einzugrenzen. Der Schwindel wird in zwei verschiedene Kategorien eingeordnet. Dabei ist die Art des Schwindels (systematisch oder unsystematisch) zu beachten und der wahrscheinliche Ort des Auslösers (Ätiologie). Grundsätzlich unterscheiden Mediziner aber zwischen vestibulären und nicht-vestibulären Schwindel. 

Vestibulärer Schwindel: Ursachen & Formen

Zum vestibulären System gehören die Teile des Innenohrs und des Gehirns, die die Informationen verarbeiten, welche durch die Gleichgewichtskontrolle und durch die Augenbewegungen durchgegeben werden. Wenn eine Erkrankung oder eine Verletzung diese informationsverarbeitenden Gebiete beschädigen, kann eine vestibuläre Störung entstehen. 

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

BPLS, Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, ist eine häufig vorkommende vestibuläre Erkrankung, die Schwindel und andere Symptome verursacht. Dieser entsteht durch Ablagerungen, die sich in einem Teil des Innenohrs angesammelt haben. Diese Ablagerungen, Otolithen genannt, bestehen aus kleinen Kalziumkarbonat-Kristallen, auch „Ohrsteinchen“ genannt. Bei Kopfbewegungen wandern die Otolithen und senden falsche Signale an das Gehirn.

Neuritis vestibularis

Die Neuritis vestibularis ist eine Erkrankung, bei der das Innenohr oder der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) sich durch eine Infektion entzünden. Der Nervus vestibulocochlearis verbindet das Innenohr mit dem Gehirn. Die Neuritis, die Nervenentzündung, verletzt die vestibulären Äste des Hirnnervs und verursacht dadurch Schwindel. Eine Labyrinthitis (Entzündung des Labyrinths) entsteht, wenn die Infektion beide Äste des Nervs betrifft. In diesem Fall tritt Schwindel auf, sowie eine Veränderung des Hörens.

Vestibularisparoxysmie

Eine Vestibularisparoxysmie bezeichnet den Kurzschluss zwischen einer Ader und einem Nerven. Nerven kann man sich als elektrische Leiter vorstellen, die eine Information von A nach B senden. Wird nun ein äußerer Reiz angeschlossen, dann kommt es zu einem fehlerhaften Reiz des Nervs. Das Gehirn kennt diese Ader nicht und nimmt an, dass die Information des Nervs z.B. vom Gleichgewichtsorgan kommt und interpretiert diese Stromschwankung als Schwindel. Umso länger der Kontakt zwischen Ader und Nerv also besteht, desto eher reiben sich diese Strukturen aneinander und verursachen Probleme. 

Morbus Menière

Morbus Menière ist eine vestibuläre Erkrankung, die in den meisten Fällen nur einseitig auftaucht. Die genauen Ursachen der Krankheit sind nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass die Schwindelattacken und die auftretende Schwerhörigkeit durch eine Druckerhöhung der Flüssigkeit in der Hörschnecke des Innenohrs ausgelöst werden, medizinisch wird es endolymphatischer Hydrops genannt. Die vier klassischen Symptome sind Schwindel, Tinnitus, ein Gefühl von Fülle oder Druck in den Ohren und ein schwankendes Hörvermögen. 

Akustikusneurinom

Das Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom) ist ein seltener, gutartiger Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs. Er kann Symptome wie Hörverlust, Schwindel, Ohrgeräusche oder ein Taubheitsgefühl im Gesicht verursachen, aber auch gar keine Beschwerden hervorrufen. Kleinere Tumoren werden oft bestrahlt und größere Tumoren ab ca. 2 cm operativ entfernt. 

Vestibuläre Migräne

Migränekranke Patienten leiden während einer Kopfschmerzattacke zusätzlich an Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen. Häufig klagen die Patienten auch nicht über Kopfschmerzen, weshalb die vestibuläre Migräne auch mit den Morbus Meniére verwechselt wird. Symptome sind unter anderem zuckende Augenbewegungen, Unsicherheiten im Gehen und Stehen, sowie Drehschwindel. Oft kommen auch Übelkeit und Brechreiz als Symptome vor. 

Schwindel im Alter

Schwindel bei älteren Menschen kann als Folge eines Problems mit dem vestibulären, zentralen und visuellen System entstehen. Ebenso kann der Schwindel durch eine Neuropathie, psychologische Motive oder durch unbekannte Gründe verursacht werden. Vestibuläre Erkrankungen werden jedoch als die am meisten vorkommende Ursache bei altersbedingtem Schwindel gehalten und sind verantwortlich für 50% der Schwindelanfälle bei älteren Menschen. 

Nicht-vestibulärer Schwindel: Ursachen & Formen

Die Gleichgewichtsorgane, die Nerven und das Gehirn arbeiten sind bei einem nicht-vestibulären Schwindel nicht beschädigt. Diese Form des Schwindels wird in anderen Regionen des Körpers ausgelöst. Im Verdacht sind in dem Fall eher Gang- und Standunsicherheiten, da Betroffene häufig nicht in der Lage sind, sich im Raum zu orientieren. Sie gehen und stehen unsicher und stürzen häufiger.  

Schwindel durch HWS-Syndrom

In ca. 40 Prozent der Fälle liegt eine Funktionsstörung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und ist die Ursache für Schwindel. Beispielsweise können Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen sowie Verspannungen der Muskulatur aufgrund von Fehlhaltungen, ein Bandscheibenvorfall oder sogar ein Unfalltrauma die Ursache sein.  Neben akuten Benommenheitsgefühlen, einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen und Armen sowie Konzentrationsschwierigkeiten, kommt es auch zu Schwindel. In der Nacken-Schulter-Armregion äußern sich die Beschwerden unter anderem durch akute oder chronische Schmerzen oder Bewegungsstörungen.  

Schwindel durch Stress

Gründe für stressbedingten Schwindel sind im eigenen Lebensumfeld zu finden und können oft vom Betroffenen selbst genannt werden. Wer sich auf der Arbeit unwohl fühlt, läuft Gefahr, an der Psyche zu erkranken. Dabei kann sich eine Überforderung genauso negativ auswirken wie eine Unterforderung oder ständige Auseinandersetzungen mit Kollegen oder Vorgesetzten. Aber auch das Arbeitsumfeld spielt dabei eine wichtige Rolle. Permanent in dunklen oder zu hellen Räumen zu sein,  kann zu Stress und Schwindel führen.  

Phobischer Schwankschwindel

Unter einem phobischen Schwankschwindel versteht man einen Schwindel, der typischerweise in Belastungssituationen auftritt und nicht mit Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen oder Hirnstammsymptomen einhergeht. 

Symptome bei Schwindel

Schwindelsymptome sind sehr unterschiedlich. Je nach Ursache und Patient können andere Symptome mit Schwindel einhergehen. Beschwerden sind unter anderem Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Schweißausbrüche, Kreislaufprobleme oder Ohrgeräusche. 

 

 

Schwindel und Benommenheit

Die häufigsten Ursachen von Benommenheit ohne Schwindel sind: 

  • Arzneimittelwirkungen 
  • Multifaktorielle Ursachen 

Bei Schwindel der mit Benommenheit einhergeht, sind oft Verspannungen in der kurzen und langen Nackenmuskulatur verantwortlich, die wiederum durch Fehlhaltung entstehen.  

Schwindel in verschiedenen Situationen

Schwindel kann in verschiedenen Situationen des Alltags aufkommen. Folgende Situationen sind bei vielen Betroffenen bereits bekannt: 

Schwindel nach dem Aufstehen

Durch die Schwerkraft sammelt sich Blut in den Venen der Beine und des Rumpfs, sobald man aufsteht. Dadurch verringert sich der Blutdruck und die Menge des Bluts, das vom Herz ins Gehirn gepumpt wird. Durch die geringe Durchblutung des Gehirns entsteht der Schwindel. 

Schwindel nach dem Sport

Eine häufige Ursache nach dem Sport ist die Unterzuckerung. Beim Sport wird der Zucker nämlich schneller verbraucht. Sobald der Körper den Zuckermangel spürt, reagiert er mit Übelkeit oder anderen Symptomen wie Zittern, Kopfschmerzen und Schwindel. Darum sollte vor dem Sport nicht auf das Essen verzichtet werden. 

Schwindel im Liegen

Schwindel im Liegen kann wie Schwindel im Allgemeinen, auf viele verschiedene Erkrankungen zurückzuführen sein. Neben einer organischen Veränderung, in der man den Schwindel begründen kann, spielen häufig auch psychische Erkrankungen, Belastung und Stress eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schwindelgefühlen. 

Diagnose: Wie kann man Schwindel feststellen?

Für die Diagnose bei Schwindelbeschwerden ist zunächst der Hausarzt der Ansprechpartner. Je nach Erstverdacht überweist er den Patienten bei Bedarf an den entsprechenden Spezialisten. Das kann ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein Neurologe, ein Internist oder ein Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut sein, sowie ein Augenarzt oder Orthopäden, die hinzugezogen werden können. Der nächste Schritt auf dem Weg zur Diagnose ist die eingehende körperliche Untersuchung des Patienten. Es gibt verschiedene Methoden, die hilfreich sind, die Ursachen des Schwindels festzustellen: 

  • Orientierende Gleichgewichtsprüfung  

Bei der orientierenden Gleichgewichtsprüfungen muss der Patient mit verschlossenen Augen geradeaus gehen, mit geschlossenen Augen auf einer Stelle marschieren und auf beiden Beinen stehen. Ein weiterer Test ist der Zeigeversuch, bei dem der Patient mit geschlossenen Augen die Fingerspitzen des Arztes mit seinen Händen berühren soll. 

  • Vestibularisprüfung 

Eine zentrale Bedeutung haben die Tests zur Funktion des Gleichgewichtsorgans, die sogenannten Vestibularisprüfungen. Mit diesen Tests kann untersucht werden, ob der Schwindel durch Störungen des Gleichgewichtsorgans bedingt ist oder nicht. Je nach Testergebnis können Rückschlüsse auf Vestibularstörungen gezogen werden und auch, ob das linke oder das rechte Gleichgewichtsorgan betroffen ist. 

  • Frenzel-Brille  

Die Frenzel-Brille wird zur Untersuchung des Nystagmus eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine Brille mit Vergrößerungsgläsern, mit der die zuckenden Augenbewegungen besser zu erkennen sind. 

  • Hörtest  

Auch das Gehör muss geprüft werden, da das Gleichgewichts- und Hörorgan ihre Signale über den gleichen Nerv (Nervus vestibulocochlearis) zum Gehirn weiterleitet. Außerdem liegt es nahe einen Hörtest zu machen, weil drei von vier Schwindelanfälle auf Hörprobleme zurückzuführen sind. 

Behandlung

Behandlung: Was tun gegen Schwindel?

Die Behandlung von Schwindel hängt grundsätzlich von der Ursache, der Schwindelform und den Begleiterscheinungen ab. Je nach Ursache können Medikamente, eine Psychotherapie oder in seltenen Fällen eine Operation helfen, aber auch physikalische Maßnahmen können getroffen werden, um dem Schwindel entgegenzuwirken. Was letztendlich gegen den Schwindel getan werden sollte, wird im besten Fall mit seinem Hausarzt besprochen.  

Medikamente: Es gibt spezielle Medikamente, so genannte Antivertiginosa, die bei akutem oder starkem Schwindel eingenommen werden. Diese Medikamente lindern nur die Beschwerden, beheben jedoch nicht die Ursache des Schwindels.  

Physikalische Maßnahmen: Der Arzt kann bei einem Lagerungsschwindel meist durch ein Lagerungsmanöver behandeln. Dazu dreht er den Kopf des Patienten in eine bestimmte Position, damit Ablagerungen aus den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans wieder entweichen können.  

Psychotherapie: Ist der Schwindel psychisch bedingt, dann wird eine Verhaltenstherapie (Psychotherapie) angewandt, die unter anderem durch Antidepressiva unterstützt wird.  

Operation: In seltenen Fällen operiert man bei Schwindel. Dann ist meist ein Tumor die Ursache. Ist dieser allerdings nicht größer als 2 cm, wird er zunächst mit einer Strahlentherapie behandelt.  

Hausmittel und Homöopathie

Hausmittel: Verschiedene Hausmittel können bei Schwindel helfen.  

Hinlegen: Bei einem plötzlichen Schwindelanfall direkt hinlegen, die Beine hochlegen und ein kühles Tuch auf den Kopf oder in den Nacken legen. 

Massage: Eine Nackenmassage kann helfen die Spannung zu lösen und somit gegen Schwindel helfen. 

Ingwer: Ingwer regt den Blutfluss Richtung Gehirn an und reduziert dadurch das Schwindelgefühl.  

Schokolade oder Traubenzucker: Der enthaltene Zucker kann den Kreislauf schnell wieder in Schwung bringen. 

Wasser: Ein Glas Wasser trinken kann bei einem leichten Schwindelanfall meistens helfen und ist wichtig für Menschen, die zu Schwindelanfällen neigen. 

Homöopathie: Homöopathische Mittel können helfen, sofern die Ursache ungefährlich ist. Wenn allerdings homöopathische Mittel eingenommen werden, sollte eine Besserung schnell eintreten.  Niedrige Potenzen wie D6, D12 oder D30 werden bei Schwindel angewendet.  Extrakte aus der Heilpflanze Ginkgo fördern die Durchblutung im Innenohr und können helfen, die Beschwerden bei Schwindel zu verbessern. Weitere Mittel, die bei Schwindel infrage kommen sind:  

  • Aconitum, bei Schwarz werden vor Augen und Bewusstlosigkeit 
  • Bryonia, bei Schwindel nach dem Aufstehen oder im Liegen und pulsieren im Kopf 
  • Belladonna, bei starkem und plötzlich auftretenden Schwindel 
  • Gelsemium, bei dem Gefühl zu fallen oder wenn das Sehen verschwommen ist 
  • Opium, bei starkem Schwindeloder Ohnmachtsanfällen 
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