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Rund ums Hören

| 3 min read

Alles zu Amusia bzw. zur unmusikalischen Störung

Definition von Amusia

Unter Amusie versteht sich ein neuropsychologisches Defizit, das zur Unfähigkeit führt, Musik aufzufassen oder zu musizieren. Dieses Defizit kann sowohl die Erkennung einer bekannten Melodie mit ihrer Tonart, ihrer Klangfarbe und ihrem Rhythmus betreffen – als auch die Harmonie eines Musikstücks. 

 

Es ist wichtig, diese Störung nicht mit dem unsauberen Intonieren von Tönen („falsch singen“) oder mit einem verminderten Hörvermögen zu verwechseln. Taubheit oder Schwerhörigkeit bedeuten, dass jemand Geräusche und Klänge nicht oder nur mit Schwierigkeit hören kann. Wer hingegen an Amusie leidet, hört Stimmen und Geräusche sehr gut, ist aber nicht fähig, die Intonation von Tönen zu erkennen. Dies ist wiederum unabhängig davon, wer sie erzeugt. In den schwersten Fällen sind Betroffene nicht in der Lage, Melodien zu erkennen oder empfinden diese sogar als irritierend oder unangenehm. 

 

Seit den achtziger Jahren konzentriert sich die Neuropsychologie der Musik auf die Behandlung dieser Störungen. Heute ist man der Ansicht, dass Amusie bei jüngeren Menschen durch konstantes Üben gelindert werden kann, während sie bei Erwachsenen irreversibel zu sein scheint. Die jüngsten Studien haben berechnet, dass circa 4 % der Weltbevölkerung an angeborener Amusie leidet. 

 

Berühmte Personen, die an Amusie litten: 

  • Zwei Präsidenten der Vereinigten Staaten, Grant und Roosevelt.
  • Freud, der Begründer der Psychoanalyse.
  • Che Guevara, über den es eine sympathische Anekdote gibt: es wird erzählt, dass er in einem Tanzsaal begann, einen Tango zu tanzen, während ein ganz anderes Stück gespielt wurde. 

Anzeichen von Unmusikalität

Folgende Anzeichen weisen auf eine Amusie hin: 

    • Unfähigkeit, eine Melodie (ob Tonart oder Klangfarbe) oder den Rhythmus und die Harmonie eines Musikstücks zu erkennen.
    • Unfähigkeit, falsch intonierte Töne in einem Musikstück zu erkennen, sowohl wenn diese von der Person selbst als auch von anderen erzeugt werden.
    • Wahrnehmung von Musik als unangenehm oder lästig.
    • In schweren Fällen: Empfindung von Schmerz beim Hören eines Liedes oder Musikstücks.

    Wie eine unmusikalische Wahrnehmung erkennen?

    Viele Menschen, die an Amusie leiden, sind sich dessen nicht bewusst. Ohne spezifische Voruntersuchungen bzw. Amusie Test ist die Diagnose dieser Beeinträchtigung oft problematisch, vor allem wenn sie nicht mit anderen neurologischen oder neuropsychologischen Störungen einhergeht.

     

    Eine Amusie kann von einem Experten mit einem Hörtest diagnostiziert werden, erfordert jedoch viele verschiedene Untersuchungen, welche im Montrealer Protkoll zur Erkennung von Amusie (MBEA - Montreal Battery of Evaluation of Amusia) beschrieben wurden. Das Protokoll sieht eine Reihe von Tests zur Evaluierung von sechs Komponenten musikalischer Verarbeitung vor: Tonleiter, Konturen, Intervall, Rhythmus, Metrik und musikalisches Gedächtnis. 

    Ursachen einer Amusie

    Von Amusie betroffene Personen leiden unter einer falschen Wahrnehmung und Übersetzung der von ihrem Ohr erfassten Signale. Grund dafür sind anatomische Defekte oder funktionelle Defekte im Gehirn, die zu einer ausgeprägten Unmusikalität sowohl beim Musikmachen als auch beim Musikhören führen. 

     

    Für gewöhnlich hat eine Amusie ihren Ursprung in Läsionen des nicht-dominanten Temporallappens, in vielen Fällen kann jedoch auch der kontralaterale Lappen beteiligt sein. Wenn auch der linke, untere Teil des Frontallappens betroffen ist, erkennt die betroffene Person nicht einmal die Worte, welche die Musik begleiten.  

     

    Generell kann eine Amusie folgende Ursachen haben:

    • Angeborene Störungen infolge erblich bedingter genetischer Faktoren.
    • Hirnschäden am Frontallappen.
    • Hirnschäden am Temporallappen.
    • Schäden am Hörkortex.

    Zu den Forschern, die sich besonders intensiv mit dieser Störung befasst haben, gehörte Isabelle Peretz von der Université de Montreal in Kanada. Sie hat mehrere wichtige Studien und Abhandlungen zu diesem Thema veröffentlicht, darunter „Prevalence of congenital amusia“ und „The Cognitive Neuroscience of Music“. 

    Die verschiedenen Amusie-Arten

    Es gibt zwei Arten von Amusie:

      • Angeborene Amusie: abhängig von genetischen Faktoren; den Schätzungen einer Studie zufolge kann sie in verschiedener Ausprägung bis zu 4 % der Bevölkerung betreffen;
      • Erworbene Amusie: tritt infolge von Hirnschäden am Frontal- oder Temporallappen oder am Hörkortex auf. Für jeden Typ gibt es abhängig von der Ausprägung der Störung außerdem verschiedene Formen der Rhythmustaubheit, die von leichten bis zu stark ausgeprägten Formen reichen. 

      Andere unmusikalische Störbilder

      Amusie oder Dysmusie?

      Eine Amusie darf nicht mit einer Dsymusie bzw. musikalischen Dyslexie verwechselt werden. Darunter verstehen sich Probleme beim Lesen von Noten oder Symbolen der Musiksprache. Es war Neil Gordon, der im Jahr 2000 die Hypothese aufstellte, dass diese Störung existiert. Eine Dysmusie unterscheidet sich wiederum von einer Misophonie, die zu einer starken Unverträglichkeit bestimmter Geräusche führt und oft mit wütenden Reaktionen, Angstzuständen und Panik einhergehen kann.

      Behandlung von Amusie

      Einige Musikexperten wie zum Beispiel W. A. Mathieu – Komponist, Pianist und Dirigent – haben sich der angeborenen Amusie (Tontaubheit) bei Erwachsenen gewidmet und sind der Ansicht, dass diese durch Übung und Training korrigiert werden kann.

       

      Im Gegensatz dazu kann im Falle einer erworbenen Amusie durch einen Schlaganfall in der Zeit nach dem Schlaganfall eine Besserung eintreten, wenn die Störung auf eine Reihe kognitiver Fähigkeiten zurückzuführen ist. Diese Fähigkeiten umfassen vor allem die Aufmerksamkeit, die exekutiven Funktionen und das Arbeitsgedächtnis.   

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