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4. Die Folgen für die Hörgeräte-Versorgung

1. Soziales Szenario und Epidemiologie
2. Die Beziehung zwischen Hörverlust und Diabetes
3. Diabetische Cochleopathie
4. Die Folgen für die Hörgeräte-Versorgung
5. Schlussfolgerung

 

Es gibt sehr wenige Publikationen zu Protokollen für die Hörgerate-Versorgung und die speziellen Erwägungen für Patienten mit diabetesbezogenem Hörverlust. Chartrand fasst die Erwägungen in Bezug auf die Hörgerate-Versorgung bei Diabetespatienten wie folgt zusammen:

  • Erhöhte Überempfindlichkeit gegenüber dem Material von Otoplastiken aufgrund der Gewebeschädigung im Ohrkanal
  • Tendenz zu Fehlbildungen im Ohrkanal
  • Überdurchschnittliche Inzidenz der abnormalen Wahrnehmung des Lautheitsanstiegs
  • Gleichgewichtsstörungen (Schwindel, Benommenheit) können bei Diabetikern vorhanden sein
  • Patienten mit Diabetes zeigen eine höhere Inzidenz von zentralen auditiven Verarbeitungsstörungen.

Er empfiehlt dringend, dass Diabetes systematisch in die Anamnese aller Hörgerate-Kandidaten aufgenommen wird. Er behauptet ebenfalls, dass in diesem Fall „das Ermitteln des Problems bereits die halbe Lösung ist“ und dass die Rehabilitation unter Berücksichtigung dieser Aspekte verbessert werden kann. Obwohl diese Beobachtungen richtig sein können und höchstwahrscheinlich auf seinen persönlichen Erfahrungen basieren, zitiert er in seinem Artikel keine Studien oder Belege, die diese Behauptung unterstützen.

 

Hautprobleme und Otoplastiken

Die Prävalenz von Hautproblemen ist bei Diabetes sehr hoch und betrifft laut einer Übersicht über neun Studien zwischen 95,4 % und 64 % der Patienten (Grafik 1). Leider haben die meißten dieser Studien keine Kontrollgruppe verwendet. PavloviĆ et al. haben eine junge Gruppe (Alter zwischen 2 und 22 Jahren) von 212 Patienten mit Typ-1-Diabetes untersucht und mit einer entsprechenden Kontrollgruppe von 142 Probanden verglichen; 68 % der Diabetespatienten zeigten mindestens eine Hautstörung. Dieser Wert war signifikant

hoher als in der Kontrollgruppe (26,5 %). Daher sollte bei der Hörgerate-Versorgung bei Diabetespatienten auf Hautinfektionen oder andere Manifestationen geachtet und das Material der Otoplastik oder der Druck und Hautkontakt mit dem Hörgerätgehäuse berücksichtigt werden. Eine angemessene Lösung dieser Probleme kann die Verwendung von nicht allergenen Materialien für die Otoplastiken, von offenen Silikonkuppeln bei einer offenen Hörgerate-Versorgung und von schmaleren Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten, die den Druck und den Kontakt mit der Haut reduzieren, sein.

Ein disseminiertes Granuloma anulare kann an den Ohren auftreten, vor allem in der Helix und der Ohrmuschel. Diese Hautkrankheit verursacht erhabene Papeln oder ringförmigeFlecken, die hautfarben, rot oder rotbraun sein können. Normalerweise verschwindet diese Hautstörung von selbst, eine Behandlung ist also nicht unbedingt erforderlich. Jedoch kann die Funktionsstörung zusätzliche Probleme in Kombination mit einem individuell angepassten Hörgerät oder einer Otoplastik schaffen.

Abnormaler Lautheitsanstieg und Kompression bei Hörgeräten

Mehrere Studien haben die Audiogramme (Hörverlust bei unterschiedlichen Frequenzen) von Probanden mit und ohne Diabetes bewertet. Panchu hat 41 Patienten mit Typ-2-Diabetes im Alter zwischen 35 und 55 Jahren untersucht und mit einer im Geschlecht und Alter angepassten, gesunden, nicht diabetischen Kontrollgruppe verglichen. Sugimoto et al. aben 43 Probanden mit einem durchschnittlichen Alter von 58 Jahren (SD: 15 Jahre) untersucht. Die eine Hälfte wies diabetisch bezogene Nervenstörungen auf, die andere Hälfte nicht. Cayonu et al. haben 83 Probanden mit Typ-2-Diabetes im Alter zwischen 65 und 89 Jahren untersucht und mit 80 nicht diabetischen und altersangepassten Kontrollprobanden verglichen (Grafik 3). Die Grafik zeigt, dass Diabetes zu höheren Schwellen bei höheren Frequenzen führt. Da die typische Audiogrammform nicht von den Audiogrammen abweicht, die bei Probanden mit nicht diabetischem, altersbedingtem Hörverlust beobachtet wurden, ist es nahezu unmöglich anzunehmen, dass der Hörverlust eine Folge des Diabetes ist, indem einfach nur die Form des Audiogramms herangezogen wird. Daher sollte die Empfehlung von Chartrand übernommen werden, während der Anamnese systematisch die Vorgeschichte von Diabetes abzufragen.

Diabetische Patienten könnten eine überdurchschnittlich abnormale Wahrnehmung des Lautheitsanstiegs aufgrund der höheren Hörschwellen bei hohen Frequenzen aufweisen.

 

Da die Hörschwellen bei hohen Frequenzen bei Diabetes hoher sind, ist es eine natürliche Folge, dass eine Verstärkung (abnormaler Lautheitsanstieg) normalerweise vorhanden ist. Das bedeutet, dass bei der Kompressionseinstellung von Hörgeraten besondere Sorgfalt geboten ist.

 

Unzureichende Wiederherstellung nach Lärmbelastung

Wie in Teil 3 dieses Konsenspapiers beschrieben, ist in Tierexperimenten die Wiederherstellung nach Lärmbelastung sehr viel schlechter, wenn Diabetes induziert wird (Grafik 4). Deshalb ist es wichtig, die maximale Ausgangsleistung des Hörgeräts bei einem Pegel einzustellen, die weitere Schaden an der Hörschnecke verhindert. Wenn Probanden aufgrund einer nur leichten Hörbehinderung nicht mit Hörgeraten versorgt werden, sollten sie sich professionell in Bezug auf einen persönlichen Hörschutz beraten lassen, den sie tragen sollten, wenn sie lauten Geräuschen (bei der Arbeit, in der Freizeit usw.) ausgesetzt sind.

Mehrere Studien belegen, dass die Wiederherstellung des Hörvermögens nach Lärmbelastung bei diabetischen Patienten schlechter ist.

Gleichgewichtsprobleme

Kalyani et al. beobachteten ein signifikant erhöhtes Risiko (Odds Ratio: 1,75) für Sturze, Benommenheit oder Gleichgewichtsprobleme, wenn Diabetes diagnostiziert wurde.

Höhere Inzidenz von zentralen auditiven Verarbeitungsstörungen

Mehrere Studien zu akustisch evozierten Hirnstammpotenzialen (BAEP) bei diabetischen Patienten zeigen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe verzögerte Peak-III- und Peak-IV-Latenzen, selbst bei Probanden mit normalem Hörvermögen. Dies weist auf die Auswirkungen der diabetischen Neuropathie (Nervenstörungen) auf das Hörvermögen hin und erhöht die Wahrscheinlichkeit für auditive Verarbeitungsstörungen. Andere Studien haben keine signifikanten Unterschiede ergeben.

Richerson et al. haben die Reaktionszeiten bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mit denen von nicht diabetischen Probanden verglichen. Sie fanden signifikante Unterschiede bei den Reaktionszeiten auf die Plattformbewegung, bei der diabetische Patienten schlechter abschneiden, jedoch keine Unterschiede bei der auditiven Aufgabe, bei der die Probanden eine Taste drücken mussten, wenn sie ein Glockensignal über Kopfhörer hörten.

Obwohl viele Studien in die Richtung möglicher zentraler auditiver Störungen als Folge der diabetischen Neuropathie, weisen, müssen weitere Forschungen diese Hypothese bestätigen.

 

Schlussfolgerungen

  • Hautinfektionen und disseminiertes Granuloma anulare sind als Krankheiten, die die Ohrmuschel betreffen, bestätigt, so dass es beim Hörverlust bei diabetischen Patienten ratsam ist, ein dünnes Röhrchen und Silikon kuppeln bei der offenen Hörgeräte-Versorgung zu verwenden. Wenn dies keine Option ist, sollten unbedingt nicht allergene Materialien für die Otoplastiken verwendet werden.
  • Die höheren Hörschwellen bei hohen Frequenzen, die zu einem engen dynamischen Bereich fuhren, und experimentelle Nachweise, dass die Wiederherstellung nach lärminduzierten Schwellenwechseln sehr viel schlechter bei diabetischen Patienten ist, deuten darauf hin, dass die Kompression und maximale Ausgangsleistung bei Hörgeraten sorgfältig angepasst werden müssen. Bei diabetischen Patienten mit normalem Hörvermögen sollte eine Beratung bezüglich persönlicher hochwertiger Hörschutzsysteme in Anspruch genommen werden.

Um weitere Schädigungen der Cochlea zu vermeiden, ist es wichtig, die maximale Ausgangsleistung des Hörgeräts sorgfältig einzustellen.

  • Gleichgewichtsprobleme treten häufiger bei diabetischen Patienten auf. Da der Hörverlust ein Risikofaktor für vermehrte Sturze darstellt, ist es wichtig, die Hörfähigkeit zu verbessern.
  • Mehrere Studien bestätigen verzögerte BAEPs bei diabetischen Patienten, was zu der Schlussfolgerung fuhrt, dass die diabetische Neuropathie eine große Rolle bei der diabetischen Cochleopathie einnimmt. Demzufolge kann die Wahrscheinlichkeit für zentrale auditive Verarbeitungsstörungen erhöht sein. Stutzende Beweise fehlen zurzeit jedoch noch.
  • Da die Form des Audiogramms nicht dabei hilft, die diabetische Cochleopathie zu erkennen, und es Indikationen gibt, dass diese Erkrankung eine spezielle Hörgeräte-Versorgung erfordert, sollte die auditive Anamnese routinemäßig auch Diabetes berücksichtigen.
  • Weitere Studien sind erforderlich, um zentrale auditive Verarbeitungsstörungen zu bewerten und die Folgen der diabetischen Cochleopathie und ihre Auswirkungen auf die Hörgeräte-Versorgung zu untersuchen.

Die Anwendung von Hörgeräten ist eine sehr kosteneffiziente Behandlung in Bezug auf die verbesserte Lebensqualität, da sie zu einer vermehrten sozialen Interaktion, einem höheren Sicherheitsgefühl, dem Erleben der eigenen geistigen Gesundheit und Selbstvertrauen fuhrt. Hörgeräte sollten daher empfohlen werden. Die Diabetes-Anamnese macht jedoch eine spezielle Hörgeräte-Versorgung erforderlich.

  • Gleichgewichtsprobleme treten häufiger bei diabetischen Patienten auf. Da der Hörverlust ein Risikofaktor für vermehrte Stürze darstellt, ist es wichtig, die Hörfähigkeit zu verbessern.
  • Es gibt Indikationen, dass die dia betische Cochleopathie eine spezielle HörgeräteVersorgung erforderlich macht. Eine auditive Anamnese sollte routinemäßig auch Diabetes beinhalten.

 

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Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres.
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