Misophonie und Geräuschempflindlichkeit

Was ist Misophonie?

Misophonie ist keine Krankheit, sondern eine Überempfindlichkeit bezüglich Geräuschen mit vermutlich eher psychischen Ursachen.

Misophonie ist keine Krankheit, sondern eine Überempfindlichkeit bezüglich Geräuschen mit vermutlich eher psychischen Ursachen. Das erklärt sich besonders gut, wenn man die Bedeutung des Wortes betrachtet: Miso bedeutet Hass und Phono Ton, also der Hass auf einen bestimmten Ton. Dabei können Menschen bestimmte Geräusche kaum ertragen. Viele Menschen kennen ein ähnliches Phänomen beim Quietschen einer Kreide an der Tafel oder beim Hantieren mit Styropor. Geräusche, die durch ihre Intensität förmlich zu Schmerzen, Gänsehaut und zusammengezogener Nackenmuskulatur führen können. Bei der Misophonie können die Geräusche, die als unangenehm empfunden werden, aber auch ganz leise sein. Die Geräuschempfindlichkeit bezieht sich nur auf bestimmte Geräusche und Klänge.

Typische Beispiele sind:

  • Schmatzen
  • Kauen 
  • Reibgeräusche (z. B. auf Stoff, Holz oder Glas)
  • Schluckgeräusche
  • Wiederholtes Klicken

Nicht zu verwechseln ist die Misophonie mit der Hyperakusis, einer allgemeinen Geräuschempfindlichkeit gegenüber nicht besonders lautem Schall. Dabei geht es aber nicht um bestimmte Geräusche, sondern um den Geräuschpegel. Dabei reagieren Menschen mit Hyperakusis mit starker Empfindlichkeit auf Geräusche bei Lautstärken, die von anderen Menschen als völlig normal empfunden werden. Wenn bereits bei normaler Lautstärke Geräusche zur Qual werden, sollte in jedem Fall zuerst einmal der Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu Rate gezogen werden.

Wer an Misophonie leidet, kann dies seinen Mitmenschen oft schwer verständlich machen. Schmatzen oder Nase hochziehen werden von anderen einfach als nervige Geräusche abgetan und vergessen. Wer unter einer Misophonie leidet, muss den anderen erklären, dass ihn manche Alltagsgeräusche unwillkürlich belasten. Die Bandbreite der Gefühle geht von einfachem Missfallen bis hin zu stark aggressiven Reaktionen. 

Wenn Sie Misophoniker sind, erklären Sie Ihrem Umfeld:

  • Was ist Misophonie?
  • Welche Geräusche sind es bei mir?
  • Welche Gefühle löst das bei mir aus?

Darüber offen zu sprechen ist wichtig. Denn im schlechtesten Falle kann sich aus einer Misophonie eine echte Phonophobie entwickelt werden. Diese regelrechte Angst vor Geräuschen kann dazu führen, dass alle Situationen gemieden werden, die diese psychologischen Trigger bedienen könnten. Eine starke Empfindlichkeit gegen Geräusche wie z. B. Essgeräusche würde dann dazu führen, dass der Phonophobiker nicht mehr in Gesellschaft essen will. Damit die Misophonie sich von einer harmlosen Störung nicht zu einem Problem entwickelt, ist kommunizieren besser als ignorieren. Oft hilft es schon, dass die Ablehnung der Geräusche einen Namen hat. Viele Misophoniker sind schon alleine dadurch beruhigt, zu wissen, dass sie mit dem Problem nicht alleine sind. Auch die Angehörigen und Freunde sind dann eher bereit, die „Überempfindlichkeit“ zu tolerieren.

Misophonie und Essgeräusche

Der Widerwillen gegen alle möglichen Geräusche, die beim Essen entstehen, ist besonders häufig. Wobei man von einer einfachen Ablehnung von Schmatzgeräuschen nicht immer gleich von einer Misophonie sprechen würde. Unsere kulturelle Prägung und Erziehung nach europäischen Tischsitten macht uns intolerant gegen das Schmatzen. In China würde sich daran niemand stören. In Europa dagegen ist der Widerwillen gegen Schmatzen verbreitet. Viele Menschen sagen auch, allein sehr laute Kaugeräusche nerven sie. Eine echte Misophonie bei Essgeräuschen geht weiter: Der Misophoniker kann sich nicht mehr von dem Ärger über die Kaugeräuschen oder anderen Essgeräuschen distanzieren. Die Wut und der Ekel gegen die verhassten Geräusche nehmen seine ganze Person ein. Auch wenn die Misophonie bei manchen Betroffenen fast schon krankhaft wirkt, ist sie lediglich eine behandelbare Störung.

Misophonie Ursachen und Symptome

Die Misophonie-Ursache kann in manchen Fällen eine Erfahrung sein, die der Mensch in seiner Kindheit gemacht hat oder eine Extremsituation (Trauma), die er erlebt hat. Dann findet sich die Ursache der Verknüpfung des Gehirns zwischen dem Geräusch und einem schlechten Gefühl im Erlebten. Diverse komplizierten synaptischen Verknüpfungen führen zur Koppelung von Sinneswahrnehmungen mit Gefühlen. Gerüche und positive oder negative Emotionen sind ein ähnliches, bekanntes Beispiel. Bei posttraumatischen Störungen lösen Geräusche allerdings eher Angst aus und gehen in Richtung Phonophobie (siehe oben). Misophonie-Symptome sind in der Regel eher Ekel, Wut und Aggression. Dabei geht man dann von einer „einfachen“ Fehlverknüpfung ohne Trauma aus, die Geräusch und emotionale Reaktion verbindet. Um bei Misophonie Hilfe zu finden, sind vor allem die Kontrolle über die eigenen Emotionen und die Möglichkeit, sich aktiv zu entspannen, wertvoll.

Therapie: Wie kann ich Misophonie behandeln?

HNO-Ärzte, Hörakustiker, Psychologen und Psychiater forschen noch an dem Phänomen und einer passenden Misophonie-Therapie. Sicher ist, dass dem Widerwillen gegen das Geräusch kein einprägsames eventuell traumatisches Erlebnis zugrunde liegen muss. Interessant ist auch, dass ein Misophoniker, der bespielweise das Klicken von Absätzen auf Asphalt kaum erträgt, sich nicht an typischerweise als anstrengend bewerteten Geräuschen stört: z. B. Baby-Geschrei oder konstanter Motorlärm. Tatsächlich ist es so, dass bei dem bestimmten, verhassten Geräusch im Gehirn des Betroffenen eine Verknüpfung zu einem Hirnareal hergestellt wird, der vorderen Inselrinde (AIC), das für emotionale Reaktionen zuständig ist. Eine Verknüpfung, die im Falle eines Schmatzens oder Klickens sozusagen zu viel ist. Eventuell ist also eine Art Fehlschaltung der Grund für die Abwehrgefühle. Damit stellt sich die Frage: Was kann man gegen Misophonie machen? Die Verknüpfung im Hirn lässt sich nicht in kurzer Zeit „umbauen“. Die Misophonie-Behandlung kann deshalb nur darauf abzielen, die aufflammenden Gefühle kontrollieren zu lernen. Dabei helfen verschiedene Entspannungstechniken wie:

  • Yoga
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung
  • Thai-Chi

Eindeutig nicht angemessen wäre es, bei einer Misophonie Medikamente einzusetzen. Um sich in bestimmten Alltagssituationen vor den Geräuschen von Mitmenschen abzuschotten, helfen Kopfhörer. Ebenfalls wird Hypnose bei Misophonie angeboten. Wie gut die Erfolge dabei sind, ist nicht wissenschaftlich erfasst. Wenn die Misophonie zu ernsten Beeinträchtigungen im Alltag führt, kann ein Arzt hinzugezogen werden. Wenn den Verdacht auf Misophonie ein Arzt bestätigt, hat er zuvor andere Ursachen ausgeschlossen. Eventuell empfiehlt er eine Therapie bei einem Verhaltenstherapeuten. In der Therapie werden Wege aus gelernten Mustern gesucht und eingeübt. Genau hinzusehen lohnt sich bei Kindern. In der Regel wird eine aggressive Ablehnung von Geräuschen erst ab der Pubertät beobachtet. Eine Misophonie führt im Jugendalter schnell zu sozialen Konflikten. Die Unsicherheit durch die Misophonie lässt sich heilen, indem das Kind seine Fehlschaltung im Gehirn versteht. Dann kann es die Emotion vom Auslöser (Verursacher des Geräusches) besser trennen und sich leichter beruhigen. Eventuell ist auch ein Noiser  hilfreich, wie er in der Tinnitus-Therapie genutzt wird. Mehr dazu erfahren Sie hier.

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