1. Diabetes Soziales Szenario und Epidemiologie

1. Soziales Szenario und Epidemiologie
2. Die Beziehung zwischen Hörverlust und Diabetes
3. Diabetische Cochleopathie
4. Die Folgen für die Hörgeräte-Versorgung
5. Schlussfolgerung

 

Diabetes (Diabetes mellitus) ist eine chronische Krankheit, die auftritt, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert (ein Hormon, das den Blutzucker reguliert) oder wenn der Körper das von ihm produzierte Insulin nicht effektiv verwerten kann. Das allgemeine Sterberisiko von Diabetikern ist mindestens doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne Diabetes.

Basierend auf Daten des „National Health Interview Survey“ in den USA ist die Prävalenz des diagnostizierten Diabetes von 1,6 Millionen Menschen bzw. 0,58 % der Weltbevölkerung im Jahr 1958 bis auf 21,1 Millionen Menschen bzw. 6,95 % im Jahr 2012 gestiegen. 2004 haben Wild et al. geschätzt, dass bis 2030 bei 30,3 Millionen Menschen bzw. 8,3 % der US-amerikanischen Bevölkerung Diabetes diagnostiziert werden wird.

Soziales Szenario und Epidemiologie Untersucht von Elizabeth P. Helzner, PhD, Assistenzprofessorin für Epidemiologie, School of Public Health, Brooklyn, NY, USA. Diese Entwicklung ist weltweit zu beobachten. Der IDF Diabetes Atlas von 2013 schätzt, dass die Zahl der Menschen mit diagnostiziertem Diabetes weltweit 2013 bei 382 Millionen lag. Diese Zahl wird bis 2035 voraussichtlich um 55 % auf 592 Millionen steigen.

1. Prävalenz von Diabetes in den USA

Laut der International Diabetes Federation (IDF) leiden weltweit 382 Millionen Patienten an Diabetes. Diese Zahl wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich um 55 % erhöhen und könnte bis 2035 590 Millionen erreichen. Die Prävalenz von Diabetes nimmt mit dem Alter zu: Tatsächlich wird gemäß einer Studie von Narayan et al. die Prävalenz bei Menschen über 75 Jahre um 8,76 %, bei Menschen zwischen 45 und 64 Jahren um 4,3 % und bei Menschen im Alter von 20 bis 44 Jahren um 1,09 % steigen

Die Prävalenz von Diabetes variiert deutlich je nach Kontinent. Die niedrigste Prävalenz ist in Afrika, die höchste in Nordamerika, im Nahen Osten und in Nordafrika zu finden.

Diese Verteilung ist auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat berichtet, dass die durchschnittliche Prävalenz von Diabetes in Europa insgesamt bei 6,4 % liegt. Jedoch reichen die Schätzungen je nach Land von der niedrigsten Prävalenz in Island (3,3 %) und Schweden (4,4 %) bis zur höchsten Prävalenz in Zypern (9,5 %) und Portugal (9,8 %). (Details auf Seite 7: Grafik 3)

In den USA reicht die Prävalenz von diagnostiziertem Diabetes je nach Bundesstaat von 5,9 % in Vermont bis zu 11,3 % in Mississippi. (Details auf Seite 7: Grafik 4)

Alle bisher vorgestellten Daten wurden altersangepasst, da die Prävalenz von Diabetes mit dem Alter zunimmt. Narayan et al. untersuchten die altersabhängige Prävalenz von Diabetes und prognostizierten seine zukünftige Prävalenz. Wie in Grafik 5 zu erkennen, wird die Prävalenz von Diabetes in hoheren Altersgruppen bis 2030 voraussichtlich deutlich zunehmen.

 

Bisher haben wir die Prävalenz von Diabetes im Allgemeinen beschrieben. Es gibt jedoch mehrere Diabetes-Varianten. Gemäß dem Diabetes-Datenblatt der WHO:

• ist Typ-1-Diabetes eine relativ seltenere Variante der Krankheit, die sich durch eine fehlende Insulinproduktion auszeichnet. Ohne tägliche Insulingabe führt Typ-1-Diabetes schnell zum Tod.

• Typ-2-Diabetes resultiert aus einer Insulinresistenz. Ungefähr 90 % der Diabetiker weltweit leiden an Typ-2-Diabetes. Dies ist größtenteils die Folge eines zu starken Übergewichts und fehlender körperlicher Bewegung.

• Gestationsdiabetes tritt bei bis zu 5 % aller Schwangerschaften auf. Er setzt typischerweise um die 24. Schwangerschaftswoche ein. Dies geschieht, wenn die Insulinfunktion blockiert wird, wahrscheinlich durch Hormone, die von der Plazenta produziert werden. Dieser Typ Diabetes verschwindet normalerweise wieder nach der Geburt. Jedoch haben Frauen, die an einer Schwangerschaftsdiabetes litten, ein um das mindestens 7-fach erhohtes Risiko, später in ihrem Leben Typ-2-Diabetes zu entwickeln, im Vergleich zu Frauen, bei denen die Schwangerschaft normal verlief.

 

Typ-1-Diabetes

Frese und Sandholzer haben vor Kurzem die Prävalenz von Typ-1-Diabetes in Europa beschrieben. Ihre Daten (Health at a Glance: Europe 2012 – OECD) lassen auf große regionale Unterschiede bei der Prävalenz von Typ-1-Diabetes schließen. Genetische Faktoren erklären vermutlich viele der regionalen Unterschiede bei der Prävalenz.(Details auf Seite 7 Grafik 6)

Onkamo et al. haben 37 Studien analysiert, die in 27 Ländern zwischen 1960 und 1996 zu der Entwicklung von Typ-1-Diabetes  durchgeführt wurden. Sie stellten eine allgemeine erhöhte Inzidenz von 3 % pro Jahr fest. Bei 24 von 37 Populationen war dieser Anstieg signifikant. Eine etwas aktuellere Literaturstudie von Patterson et al. kam zu dem gleichen Ergebnis – ein Anstieg von 3,4 % pro Jahr im ersten Zeitraum (1989 – 1999) und ein Anstieg von 3,3 % pro Jahr im zweiten Zeitraum (1999 – 2008).

 

Typ-2-Diabetes

Einer der wichtigsten Faktoren, die zur schnellen Zunahme von Typ-2-Diabetes führen, ist Übergewicht. Mokdad et al. zeigten, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes 7,4-mal hoher bei Erwachsenen mit einem BMI (Body Mass Index) über 40 im Vergleich zu Erwachsenen mit einem normalen BMI (zwischen 18,5 und 24,9) ist.

In den USA kontrollieren die Zentren fur Krankheitskontrolle und Prävention (Centers for Disease Control and Prevention) regelmäßig die Daten für Übergewicht und Diabetes für die einzelnen Bundesstaaten. Diese Daten dokumentieren die zunehmende Epidemie beider Gesundheitsprobleme: Die meisten Bundesstaaten mit einer hohen Prävalenz von Übergewicht weisen ebenfalls eine hohe Diabetes-Prävalenz auf.

Die Behandlung chronischer Krankheiten (NCD –Kontrolle nicht ubertragbarer Krankheiten) besitzt nun sehr hohe Priorität in den Gesundheitsprogrammen der EU, der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen. Die vier häufigsten chronischen Krankheiten (Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs, Atemwegserkrankung und Diabetes) machen 86 % aller Todesfalle aus.

Patienten mit Typ-2-Diabetes haben fast eine doppelt so hohe Mortalitatsrate wie Menschen ohne Diabetes. Demzufolge hat die Prävention von Typ-2-Diabetes im öffentlichen Gesundheitswesen hohe Priorität. Typ-2-Diabetes kann bis zu einem gewissen Maß durch eine Ernährungsumstellung, mehr körperliche Bewegung und reduzierten Alkoholkonsum vermieden werden. Die Umsetzung dieser Maßnahmen führt nicht nur zu einer Abnahme von Diabetes, sondern senkt auch die Raten für andere allgemeine chronische Krankheiten.

 

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Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres.
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