4. Lärmprävention: lärmbedingten Hörschäden vorbeugen

1. Lärmkrankheit
2. Urbanisierung als Hauptursache der Lärmbelastung
3. Wie reagieren wir auf Lärm?
4. Lärmprävention: lärmbedingten Hörschäden vorbeugen
5. Wenn es im Ohr "rauscht"
6. Vertiefung 5. Teil: Tinnitus und Hyperakusis
7. "Let's make noise" 

Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres. Auf der Seite "Auswirkungen des Lärms" können Sie die Publikation kostenlos als PDF- oder Print-Version anfordern.

 

Gemäß R. Murray Schafer, dem Begründer der akustischen Ökologie, sind Städte "taub" und deren Einwohner von "Schizophonie" betroffen: Sie sind umgeben von Lärm, aber nicht in der Lage, den Geräuschen eine Quelle zuzuordnen, sodass sie zum oberflächlichen Zuhören verdammt sind. Die Technologie von heute ermöglicht uns, den Lärmpegel von Städten akkurat zu messen, sodass wir die Einwohner zumindest dabei unterstützen können, sich des Umfeldes bewusst zu werden, in dem sie leben, und Lärmvorbeugungs- und Lärmreduzierungsmaßnahmen zu entwickeln, die mithilfe der technologischen Entwicklungen umgesetzt werden können.

Im städtischen Umfeld können viele Maßnahmen ergriffen werden, um die Bewohner vor exzessivem Lärm zu schützen. Straßenlärm ist beispielsweise eine der Hauptquellen für urbane Lärmbelastung, aber die Mobilität in den Städten kann verändert werden. Durch die Förderung des verbreiteten Gebrauchs von leiseren Elektrofahrzeugen und Elektrofahrrädern und dank der Schaffung von effizienten Radwegen kann die Lärmbelastung von Städten reduziert werden. Des Weiteren kann lärmabsorbierender Asphalt zum Bau von Straßen verwendet werden, Reifen mit reduzierter Geräuschemission können gefördert und strengere Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Städten durchgesetzt werden. In Bezug auf den Transportbereich kann sogar die "Sharing Economy" helfen, die Städte zu ruhigeren Orten zumachen. Es steht eine Revolution mit Fahrzeugen ohne Fahrer bevor, deren Prototypen bereits von Google, Audi und dem MIT (Massachusetts Institute of Technology) produziert werden. Diese können von Familienmitgliedern oder Anwohnern vor Ort mitbenutzt werden, sodass sämtliche Mobilitätsanforderungen erfüllt werden. Eine vor Kurzem durchgeführte Umfrage des SMART-Future-

Mobility-Teams des MIT ergab, dass sämtliche Mobilitätsanforderungen einer Metropole wie Singapur mit nur 30 % der derzeit zirkulierenden Fahrzeuge erfüllt werden könnten, wenn es sich um fahrerlose Autos handelnwürde. Der Prozentsatz würde sich um weitere 40 % verringern, wenn sich Passagiere mit einem gemeinsamen Ziel die Fahrzeuge teilen würden.

 

Maßnahmen zur Reduzierung von Lärm

Diese Ideen sind nicht komplett futuristisch und können den Lärm in Städten drastisch senken, sodass verhindert werden kann, dass dieser einen großen prozentualen Anteil der Bevölkerung schädigt. Viele Lärmpräventionsmaßnahmen können von den Entscheidungsträgern vor Ort eingeführt werden. Dazu gehören neue, strengere Lärmbegrenzungsvorschriften für öffentliche Plätze wie Kneipen und Discos sowie Events wie Konzerte und die Schaffung von "Ruhebereichen" in Schulen, öffentlichen Bürogebäuden und Stadtparks, sodass die Bewohner in den Genuss von effektiven "Lärmpausen" kommen können. Auch Einzelpersonen und lokale Organisationen können Beiträge zur Lärmreduzierung leisten. Doppelverglasungen für Gebäude an vielbefahrenen Straßen und "Lärmbarrieren" aus Grünpflanzen auf Balkons und Terrassen reduzieren den Lärm in Büros und Wohnungen. Ein Beispiel für eine umweltfreundliche Lärmpräventionsarchitektur ist der "Home-Forest", der vor Kurzen in Turin/Italien gepflanzt worden ist. Die 150 Pflanzen (Bäume, Blumen, Grünpflanzen und Sträucher) absorbieren nicht nur Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff, sondern fungieren auch als effektive lärmabsorbierende Barriere, die die Innenräume gegenüber dem schädlichen Lärm des urbanen Verkehrs abschirmt. Genauso wichtig ist es, dass Lautstärkebegrenzungen für Musik- und Videoplayer eingeführt werden. Dabei handelt es sich um eine extrem nützliche Sicherheitsvorkehrung für junge Leute, die normalerweise viele Stunden pro Tag mit Kopfhörern auf und in ihren Ohren verbringen.

 

Prävention durch Gehörschutz

Neben der Reduzierung der Lautstärkeausgabe von Musikplayern kann das Gehör auch geschützt werden, indem man in sehr lärmbelasteten Umgebungen einen Gehörschutz verwendet. Arbeiter, die im Rahmen ihrer Tätigkeit intensivem Lärm ausgesetzt sind, müssen einen Gehörschutz tragen, um das Gehör vor dem Außenlärm zu schützen. Personen, die gerne Livemusik mit hoher Lautstärke hören, sollten sich Ohrstöpsel für professionelle Musiker kaufen, die die natürliche Soundqualität bewahren, indem sie alle Frequenzen gleichmäßig dämpfen und Verzerrungen vermeiden, sodass sie die Musik besser genießen und gleichzeitig ihr Gehör schützen können. Und schließlich sollten Personen, die Musikplayer in lauten Umgebungen (z. B. in der U-Bahn) nutzen, Kopfhörer auswählen, die externe Geräusche abschirmen oder perfekt in den Gehörgang passen, sodass sie nicht länger gezwungen sind, die Lautstärke immer weiter zu erhöhen, um die Musik trotz der Hintergrundgeräusche zu hören.

 

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