Trotz der zunehmenden Anzahl verfügbarer Behandlungsmöglichkeiten für Hörverlust (HL) und deren stetig steigender Qualität zeigt die Forschung, dass sowohl das Bewusstsein für deren Existenz als auch deren Zugänglichkeit nach wie vor gering sind.
Dieser Artikel identifiziert verschiedene Hindernisse – nicht nur finanzieller Art –, die Menschen davon abhalten könnten, aktiv Hilfe zu suchen. Letztendlich werden diese Erkenntnisse in ein von den Autoren derzeit entwickeltes Entscheidungshilfetool einfließen: „HearChoice“, das Menschen mit Hörproblemen bei der Hilfesuche und bei Entscheidungsprozessen unterstützen soll.
Diese Studie baut auf früheren quantitativen Untersuchungen zu Prädiktoren für eine erfolgreiche Inanspruchnahme von Hörversorgungsleistungen auf und beleuchtet dabei die qualitativen Aspekte der Hilfesuche und Entscheidungsfindung. Die Forscher nutzten das COM-B-Modell (Capability, Opportunity, Motivation –Behaviour) als Leitfaden für ihre Analyse und gingen davon aus, dass Probanden das Zielverhalten der Hilfesuche und Entscheidungsfindung eher zeigen, wenn sie über ausreichende Fähigkeiten, Möglichkeiten und Motivation verfügen.
Insgesamt wurden 16 australische Teilnehmer mit Hörverlust befragt, um ihre Erfahrungen bei der Suche nach Hilfe und bei der Entscheidungsfindung zu erfassen. Die Teilnehmer befanden sich in unterschiedlichen Phasen ihres Weges mit Hörverlust, die von der ersten Wahrnehmung eines Hörverlusts bis hin zu erfahrenen Hörgeräteträgern reichten.
Die Stichprobe wies eine beträchtliche Heterogenität hinsichtlich Alter, Geschlecht, selbst wahrgenommem Hörverlust und der Zeit seit Beginn des Hörverlusts auf. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt, je nachdem, ob sie professionelle Hilfe in Anspruch genommen hatten.
Die Interviewdaten (wörtliche Zitate der Teilnehmer) wurden in zwei Kategorien unterteilt: Hilfesuche und fundierte Entscheidungsfindung. Für jede Kategorie wurden die qualitativen Ergebnisse, die sich aus den Interviews ergaben, weiter nach den COM-B-Unterthemen gegliedert.
Zur Untermauerung der einzelnen COM-B-Unterthemen führten die Autoren anschauliche Zitate von Teilnehmern sowohl für den Bereich der Hilfesuche als auch für den Bereich der informierten Entscheidungsfindung an, darunter: Psychologische Kompetenz; Umweltbedingte Möglichkeiten; Soziale Möglichkeiten; Reflexive Motivation; und Automatische Motivation.
In Anlehnung an das COM-B-Modell fassen die Autoren ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen wie folgt zusammen:
QUELLE:
Bothe E., Bennett RJ., Sherman KA., et al. Int J Audiol. (2025): 64(12), 1300–09 doi: 10.1080/14992027.2025.2493918. Epub 2025 May 16. PMID: 40377338.
Jan De Sutter, Belgien