Häufig gestellte Fragen

FAQ

Hörgeräte

Wie funktioniert ein Hörgerät?

Auf dem Markt existiert eine Vielzahl an Hörgeräten, die sich nicht nur in der Ausstattung voneinander unterscheiden. Auch verschiedene Bauweisen sind erhältlich, von den klassischen Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO) über die kleineren In-dem-Ohr-Geräten (IdO) bis zu den von aussen unsichtbaren Completely-in-canal-Geräten (CIC). Grundsätzlich bestehen Hörgeräte aber aus den gleichen Komponenten:

  • Um akustische Signale aufzunehmen, besitzen Hörgeräte ein oder mehrere Mikrofone. Diese nehmen die Schallwellen auf und geben sie als elektrisches Signal weiter.
  • Während das Signal bei alten, analogen Geräten nun lediglich verstärkt wird, findet bei modernen Digitalgeräten ein weiterer Zwischenschritt statt. Ein Mikrochip-Prozessor wandelt das analoge in ein digitales Signal um und bearbeitet dieses. Er filtert beispielsweise unerwünschte Nebengeräusche heraus oder hebt Sprache hervor. Da das verarbeitete Signal in digitaler Form vorliegt, tritt bei der Verarbeitung und Reproduktion zudem kein Qualitätsverlust auf.
  • Nachdem das akustische Signal bearbeitet wurde, wird es mithilfe des Verstärkers in der Lautstärke auf den Hörverlust des Trägers angepasst und weitergeleitet.
  • Das schliesslich am Lautsprecher ankommende, elektrische Signal wird durch diesen wieder in Schallsignale umgewandelt, die direkt in das Ohr des Trägers geleitet werden.
  • Zum Betrieb der einzelnen Komponenten benötigt ein Hörgerät elektrische Energie. Zu diesem Zweck werden in Hörgeräten Batterien verbaut, die nach einiger Zeit gewechselt werden müssen. Einige Geräte werden stattdessen mit wieder aufladbaren Akkus ausgestattet, sodass der Batteriewechsel entfällt.

Welche Hörgeräte-Technik gibt es?

Hörgeräte sind zwar klein, dennoch verbergen sie hochmoderne Technologie in sich. Neben den Bauteilen eines klassischen, analogen Hörgeräts (Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher, Batterien) beinhalten heutige Hörgeräte einen Mikroprozessor. Dieser verstärkt das Schallsignal nicht nur, sondern verarbeitet es mithilfe spezieller Software. Aber auch bei den Bauarten gibt es Unterschiede. So haben sich drei Systeme herauskristallisiert: Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO) und Completely-in-canal-Hörgeräte (CIC).

HdO-Hörgeräte

Die bekannteste Hörgeräte-Bauform ist die HdO-Variante. In diesem Fall wird das kleine Gerät hinter das Ohr geklemmt, der Hörer wird in den Gehörgang gesteckt. Über ein sehr dünnes Kabel gelangt das verstärkte Signal vom Hörgerät zum Hörer. Damit der Lautsprecher sicher im Gehörgang sitzt, wird er oft mit einem angepassten Ohrpassstück (Otoplastik) im Ohr fixiert. Eine alternative Variante, die eher bei hochgradigen Schwerhörigkeiten eingesetzt wird, sind HdO-Hörgeräte mit Schallschlauch. In dieser Hörgerätart gelangt der Schall vom Gerät über einen Schallschlauch an eine exakt an den Gehörgang der Nutzers angepasste Otoplastik.

IdO- und CIC-Hörgeräte

Eine kleinere Variante sind die IdO-Geräte. Alle Bauteile befinden sich hier in einem an die Form des Ohres angepassten Gerät. Aufgrund ihrer Grösse sind IdO-Hörgeräte weniger leistungsfähig als HdO-Geräte, weshalb sie sich nur für leichte bis mittlere Hörverluste eignen. Auch innerhalb der Gruppe der IdO-Geräte gibt es grössen- und leistungstechnische Abstufungen. Neben Geräten, die noch sichtbar in der Ohrmuschel platziert werden, gibt es auch die CIC-Variante. Diese kleinste Form der Hörgeräte wird tief in den Gehörgang direkt vor das Trommelfell gesteckt. Allerdings eignen sich diese kleinen Geräte nur für leichte Hörverluste.

Warum sollte man ein Hörgerät tragen?

Wird das Gehör schlechter, lässt sich dies an mehreren Punkten festmachen. Beispielsweise sind die hohen Töne zuerst betroffen. Sind Vogelgezwitscher, Türklingeln oder plätscherndes Wasser also nur noch schlecht oder gar nicht mehr zu hören, ist dies ein dringendes Warnsignal. Aber auch wenn Gesprächspartner nur noch mit grosser Anstrengung zu verstehen sind, ist die Ursache dafür oft ein Hörverlust. Ständiges Nachfragen und Schwierigkeiten beim (Zu-)Hören sorgen dabei nicht nur für körperlichen, sondern auch für psychischen Stress. Betroffene fühlen sich oft müde und verkleinern ihr soziales Umfeld – aus Angst, nicht ernstgenommen zu werden.

Moderne Hörgeräte bekämpfen diese Probleme effektiv. Zwar lässt sich ein Hörverlust in den meisten Fällen nicht korrigieren, durch Hörgeräte und Hörtrainings ist es aber möglich, Hörprobleme weitestgehend auszugleichen. Die Minicomputer leisten dabei einiges an Arbeit. Sie verstärken nicht nur akustische Signale, sie filtern auch Störgeräusche heraus, schwächen Umgebungsgeräusche ab und verstärken gezielt gesprochene Laute. Dadurch hören Hörgeräteträger ihre Mitmenschen wieder besser, können Konversationen auch in der Gruppe folgen und besser und selbstsicherer mit ihrem Umfeld interagieren. Dabei sind einige Modelle auch von aussen unsichtbar komplett im Gehörgang platzierbar.

Ein professionelles Hörgerät ist somit dazu in der Lage, die Lebensqualität Hörgeschädigter zu erhöhen und deren psychischen sowie körperlichen Gesundheitszustand zu verbessern. Daher wird die Anschaffung eines Hörgerätes bei Schwerhörigkeit auch von den Versicherungen unterstützt. Die Kosten für ein Gerät der Einsteigerklasse, der zugehörigen Beratung durch einen Hörgeräteakustiker und der Anpassung des Produkts können bereits mit dem Pauschalzuschuss der Invalidenversicherung (IV) gedeckt werden. Findet die Erstanschaffung erst im Pensionsalter statt, erstattet die Alten- und Hinterlassenenversicherung einen Pauschalbetrag in Höhe von 75 Prozent des IV-Betrags. Somit lohnt es sich auch aus finanzieller Sicht, bei Anzeichen eines Hörverlusts einen Spezialisten aufzusuchen.

Wie oft muss man Hörgeräte-Batterien wechseln?

Die Batteriewechselintervalle bei Hörgeräten hängen von verschiedenen Faktoren ab. Einer dieser Faktoren ist die Grösse der Batterie, die sich von Hörgerät zu Hörgerät unterscheidet. Aber auch das Gerät selbst steht im Zusammenhang mit der Lebensdauer einer Batterie. Ein einfaches Produkt mit wenigen Zusatzfunktionen benötigt weniger Energie als eine hochklassige Hörhilfe mit vielen Extras wie beispielsweise einer kabellosen Verbindung zum Fernseher. Die Tragedauer ist ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt. Wird ein Gerät nur dreimal in der Woche getragen, benötigt es weniger Energie, als wenn es jeden Tag im Einsatz ist. Hierbei gilt es aufgrund der speziellen Bauweise der Batterien jedoch auch zu beachten, dass eine Halbierung der Tragezeit zwar die Lebensdauer der Batterie erhöht, sie allerdings nicht verdoppelt.

Je nach Kombination dieser drei Faktoren müssen Hörgerätebatterien also in verschiedenen Intervallen gewechselt werden, diese betragen zwischen drei Tagen und zwei Wochen. Lässt die Leistung des Geräts merklich nach, sollte die Batterie bereits ausgetauscht werden. Lässt die Energie noch weiter nach, informiert das Gerät den Träger mittels akustischer Signale über den nötigen Wechsel.

Was ist ein Hörgeräteakustiker?

Ein Hörgeräteakustiker kümmert sich um den Verkauf, die Anpassung und die Wartung von Hörgeräten an hörgeschädigte Personen. In der Schweiz ist der Beruf des Hörgeräteakustikers ein Ausbildungsberuf der höheren Berufsbildung.

Ausbildung zum Hörgeräteakustiker

Zuständig für die Ausbildung ist in der Schweiz die akademie hörenschweiz. Die Ausbildung selbst erfordert eine dreijährige Ganztagstätigkeit in einem Hörakustik-Fachbetrieb. Zusätzlich werden Auszubildende in einem begleitenden Ausbildungskurs auf ihren Beruf vorbereitet. Am Schluss der Ausbildung steht eine Berufsprüfung, deren Bestehen mit dem Eidgenössischen Fachausweis für Hörgeräteakustiker zertifiziert wird. Trägern des Fachausweises ist es gestattet, einen eigenen Fachbetrieb zu führen und mit den Versicherungsgesellschaften abzurechnen. Letzteres erfordert während der Berufsausübung jährlich vier Tage Weiterbildung.

Der Beruf des Hörgeräteakustikers

Der Beruf des Hörgeräteakustikers vereint mehrere Arbeitsfelder in sich. Bei einer Untersuchung stellt der Akustiker zunächst fest, wie stark der Hörverlust ausgeprägt ist. Anschliessend klärt er den Betroffenen über seine Schwerhörigkeit und mögliche Behandlungsmethoden auf. Auf Basis dessen berät der Hörgeräteakustiker seinen Patienten über die möglichen Hörgeräte, legt ihm Vor- und Nachteile der Bauweisen und einzelner Modelle dar und orientiert sich dabei auch am zur Verfügung stehenden Budget seiner Kunden. Ist ein passendes Gerät gefunden, passt der Akustiker die Software des Geräts in Zusammenarbeit mit dem Träger an dessen Hörverlust an, sodass dieser ein Gerät erhält, das genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Doch hiermit endet die Tätigkeit eines Hörgeräteakustikers nicht, denn auch nachträgliche Anpassungen und Abstimmungen sowie die Wartung der Geräte werden von ihm durchgeführt. Der Beruf erfordert also nicht nur technische und medizinische, sondern – aufgrund des regelmässigen Umgangs mit Patienten – auch soziale und – vor allem bei der Leitung eines Betriebs – wirtschaftliche Kenntnisse.

Wie teuer ist ein Hörgerät?

Auf dem Hörgerätemarkt herrscht eine grosse Vielfalt. So gibt es Geräte auch in allen Preisklassen. Günstige Einsteigergeräte sind bereits ab einigen Hundert CHF erhältlich, die teuersten Oberklassemodelle schlagen mit über 3’000 CHF zu Buche. Dabei ist Hörgerät allerdings nicht gleich Hörgerät, denn während günstige Modelle nur über Grundfunktionen verfügen, sorgen die Zusatzfunktionen der höheren Klassen für ein besseres und natürlicheres Hörerlebnis.

Günstige Modelle – Hörgeräte der Einstiegsklasse

Die günstigsten Hörverstärker bieten vor allem in häuslichen Situationen eine verlässliche Unterstützung für das Gehör. Sie verstärken das Audiosignal digital und geben es an das Gehör weiter. Dabei ist es dem Träger in der Regel möglich, zwischen verschiedenen Verstärkungsstufen zu wählen, um das Gerät an die Situationen anzupassen. Die meisten Geräte dieser Preisklasse bieten zudem eine Rückkopplungsunterdrückung, sodass das Gehör nicht durch Pfeifen strapaziert wird.

Mittelklasse-Hörgeräte mit Zusatzfunktionen

Zusätzlich zur Ausstattung der günstigen Geräte verfügen Hörhilfen der Mittelklasse über weitere praktische Funktionen. So ist es beispielsweise möglich, sie kabellos mit Fernsehgeräten, Telefonen oder Musikanlagen zu verbinden. Der Ton wird in diesem Fall direkt auf die Lautsprecher der Geräte übertragen, was einen sonst durch die Verstärkung verursachten Qualitätsverlust verhindert. Die Digitaltechnik ermöglicht es zudem, dass die Hörgeräte dazu in der Lage sind, Sprache zu erkennen und für den Hörer hervorzuheben. Hintergrundgeräusche werden dabei abgeschwächt, wodurch der Träger Gesprächspartner auch in lauter Umgebung besser verstehen kann. Die verbaute Technik ermöglicht es den Geräten ausserdem, die Richtung, aus der ein Schallsignal kommt, zu erkennen.

Akustische Allrounder – Hörgeräte der Oberklasse

Oberklasse-Geräte haben ihren Preis, bieten dafür aber auch viele Funktionen, die für einen optimalen Hörkomfort sorgen. So erkennen sie automatisch unterschiedliche Hörsituationen – beispielsweise ob Sie sich zuhause, im Restaurant oder auf der Strasse befinden – und passen sich daran an. Dadurch wird sichergestellt, dass das Gehör nicht durch übermässige Verstärkung von Stör- oder Umgebungsgeräuschen beschädigt wird und dass Gesprächspartner stets zu verstehen sind. Richtmikrofone und spezielle Software ermöglichen es dem Träger zudem, stets die Position einer Schallquelle ausfindig zu machen. Werden Geräte beidseitig getragen, stimmen diese sich aufeinander ab, wodurch für Hörgeschädigte auch Stereo-Hören möglich wird. Eine grosse Auswahl an Farben und Designs sorgt letztlich dafür, dass Träger stets ein Hörgerät erhalten, das nicht nur optimal auf ihr Hörproblem abgestimmt ist, sondern auch optisch ihrem Geschmack entspricht.

Verrechnung der Anschaffungszuschüsse

IV- und AHV-Versicherte erhalten nach entsprechender Attestierung des Arztes einen Pauschalbetrag als finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung eines Hörgeräts. So steht IV-Versicherten ein Betrag von 840 CHF bei einem, beziehungsweise 1’650 CHF bei zwei Hörgeräten zu. AHV-Versicherte erhalten 630 CHF bei einem und 1’237.50 CHF bei zwei Hörgeräten. Berücksichtigt man diese Beträge, ergeben sich folgende Eigenanteilskosten bei der Erstanschaffung eines Hörgeräts:

Eigenanteilskosten pro Ohr Einstiegsklasse Mittelklasse Oberklasse
IV-versichert ca. 0–500 CHF ca. 1’000–2’000 CHF ca. 2’000–3’000 CHF
AHV-versichert ca. 500–1’500 CHF ca. 1’500–2’500 CHF ca. 2’500–3’500 CHF

Laufende Kosten nach dem Kauf

Neben dem Kaufpreis sind aber auch noch weitere Kosten zu beachten. Je nach Hörgerätmodell und verbauter Batterie muss letztere mehr oder weniger oft ausgetauscht werden. Das Wechslungsintervall liegt hierbei zwischen drei bis sieben Tagen und etwa zwei Wochen. Somit benötigen Hörgerätebesitzer circa 60 Batterien pro Jahr, wenn sie das Gerät regelmässig tragen. Die Kosten eines solchen Jahresvorrats belaufen sich aufgrund der grossen Vielfalt an Händlern und Herstellern auf etwa 10 bis 130 CHF. Die IV unterstützt bei ihr versicherte Hörgeräteträger finanziell jährlich mit 40 CHF bei einem beziehungsweise 80 CHF bei zwei Hörgeräten für den Kauf neuer Batterien.

Moderne technische Geräte weisen hin und wieder Defekte auf, die von einem Fachmann repariert werden müssen, so auch Hörgeräte. Innerhalb des ersten Jahres nach Kauf eines Hörgeräts fallen Reparaturen unter die Garantie des Herstellers. Nach Ablauf dieses Jahres tragen Hörgerätebesitzer Reparaturkosten selbst. Jedoch erstattet die IV gegen Vorlage des Belegs Geld zurück: bis zu 200 CHF bei Reparaturen an der Elektronik und bis zu 130 CHF bei sonstigen Reparaturen. AHV-Versicherte erhalten neben einem alle fünf Jahre möglichen Zuschuss zum Kauf eines neuen Geräts keine weiteren Leistungen von der Versicherung.

Ob für die anfängliche Beratung und weitere Anpassungen nach dem Kauf zusätzliche Kosten entstehen, ist von Fachgeschäft zu Fachgeschäft unterschiedlich. Hier gilt es, bereits vor dem ersten Beratungsgespräch die Kosten für Beratung (auch bei Nichtkauf) und Zusatzleistungen abzuklären, um die Gesamtkosten für ein Hörgerät besser einzuschätzen.

Wer übernimmt die Kosten für ein Hörgerät?

Wurde bei Ihnen eine Hörminderung festgestellt, tragen Sie die Kosten für ein Hörgerät nicht alleine. Je nach Fall erhalten Sie bei einem diagnostizierten und attestierten Hörverlust nämlich Zuschüsse von der Invalidenversicherung (IV) oder der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV).

Zuschüsse der IV

Erwerbstätige und -fähige Personen, die ein Hörgerät benötigen, erhalten von der IV seit dem 1. Juli 2011 einen Pauschalbetrag von 840 CHF bei einseitiger, beziehungsweise 1’650 CHF bei beidseitiger Versorgung. Dadurch soll es Betroffenen ermöglicht werden, auch trotz ihres Hörverlustes weiterhin ihrem Beruf nachzugehen. Die Pauschalbeträge ermöglichen dabei eine Versorgung mit einem einfachen, aber hochwertigen Hörgerät und decken zudem Kosten für Service und Beratung mit ab. Des Weiteren erhalten Betroffene jährlich 40 (einseitig) oder 80 (beidseitig) CHF für den Kauf neuer Batterien. Die IV beteiligt sich zudem an den Reparaturkosten für Geräte, die älter als ein Jahr sind. Reparaturen an der Elektronik werden hierbei mit bis zu 200 CHF, Reparaturen anderer Art mit bis zu 130 CHF unterstützt. Alle sechs Jahre unterstützt die IV Patienten bei der Anschaffung eines neuen Geräts.

Zuschüsse der AHV

Bereits pensionierte Personen mit Hörverlust erhalten bei einer Erstversorgung einen Zuschuss der AHV. Dieser beträgt 75 % des IV-Zuschusses, also 630 CHF für ein Hörgerät und CHF 1237.5 für zwei Hörgeräte. Wurde die Erstversorgung bereits durch die IV sichergestellt, sinkt der Zuschussbeitrag bei Eintritt ins AHV-Alter nicht ab. Zudem haben durch die AHV bezuschusste Patienten alle fünf Jahre ein Anrecht auf ein neues Hörgerät – Voraussetzung hierfür ist eine Verordnung durch den behandelnden Arzt.

Sonderregelung für Kinder

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gilt eine Sonderregelung. Hier bezahlt die IV die Kosten für die Anschaffung und Anpassung durch Pädakustik-Fachleute bis zu einem Maximalbetrag, der höher liegt als die Pauschale für Erwachsene. Bei einseitiger Versorgung übernimmt die IV Kosten bis zu 1’600, bei beidseitiger bis zu 2’400 CHF.

Wo kauft man Hörgeräte?

Hörgeräte sind bei Fachhändlern, also Hörgeräteakustikern, erhältlich, aber auch in der Apotheke, bei der Post und sogar beim Discounter finden sich immer häufiger Hörhilfen im Angebot – oft sind diese zudem günstiger als Geräte vom Fachmann. Zu den Preisunterschieden kommt es aber nicht ohne Grund.

Hörgeräte von Discounter und Co.

Bei den von Detailhändlern, Discountern und anderen Geschäften verkauften Geräten handelt es sich in vielen Fällen nur um Hörverstärker. Diese sind zwar zu niedrigen Preisen erhältlich, bergen allerdings auch Nachteile und Risiken. Sie sind im Prinzip ähnlich wie ein Hörgerät aufgebaut (Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher, Batterie), dienen aber lediglich der ungeregelten Verstärkung alle akustischen Signale. Eine wirkliche Anpassung an das Gehör und die Hörprobleme eines Hörgeschädigten ist kaum möglich. Da die Geräte zudem alle Signale, nicht nur ausgewählte, verstärken, werden auch Hintergrundgeräusche lauter an den Hörer weitergegeben. Die schlechten Regulierungsmöglichkeiten führen mitunter sogar zu einer stärkeren Schädigung des Gehörs.

Zertifizierte Geräte und kompetente Beratung vom Hörgeräteakustiker

Eine Garantie für ein qualitativ hochwertiges Hörgerät, das auf das eigene Hörempfinden abgestimmt ist, bietet der Besuch beim Hörgeräteakustiker. Dieser hat nicht nur eine grosse Auswahl an Hörgeräten in jeder Preisklasse und mehrerer Hersteller, er berät Kunden auch kompetent und erklärt ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle und Bauarten. Durch einen professionellen Hörtest stellt er die Stärke des Hörverlusts fest und passt nach Auswahl des Kunden die Hörhilfe an das Gehör seines Patienten an. Zudem hilft er, falls nach dem Kauf Probleme oder Defekte auftreten. Dabei sind auch beim Hörgeräteakustiker Hörgeräte zu ähnlichen Preisen wie Hörverstärker erhältlich, inklusive Beratung und Anpassung.

Warum pfeifen Hörgeräte?

Fängt das Hörgerät beim Tragen an zu pfeifen, hat dies in der Regel eine Rückkopplung als Ursache. Diese entsteht, wenn Schall vom Lautsprecher des Geräts an das Mikrofon gelangt. Das Signal wird so ständig weiter verstärkt und dann als unangenehmes Pfeifen wahrgenommen. Moderne Hörgeräte verfügen häufig über Software, die Rückkopplungen erkennen und verhindern soll. Trotzdem kann es, vor allem bei Geräten der Einstiegsklasse, hin und wieder zu einer Rückkopplung kommen. Diese kann verschiedene Ursachen haben.

Technische Gründe

Der einfachste Fall ist ein zu laut eingestelltes Hörgerät. Je lauter der Schall aus dem Lautsprecher des Geräts kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Mikrofon ihn wahrnimmt und eine Rückkopplung erzeugt. Eine Reduzierung der Lautstärke kann somit bereits helfen, das Problem zu beheben. Allerdings ist häufig auch ein schlecht sitzendes Ohrpassstück (Otoplastik), das bei Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten eingesetzt wird, die Ursache. Ist dieses nicht optimal an das Ohr des Trägers angepasst, dringt Schall aus dem Gehörgang durch die Zwischenräume von Ohr und Otoplastik an das Mikrofon. Durch die Anpassung der Otoplastik oder eine Anpassung des Geräts selbst ist es Hörgeräteakustikern möglich, Pfeifgeräusche mit technischen Ursachen zu beheben.

Andere Ursachen von Rückkopplungen

Scheiden technische Probleme als Ursache aus, kommen auch andere Faktoren in Betracht – so zum Beispiel ein ungünstig geformter Gehörgang, der durch seine Form das Ausdringen von Schall begünstigt. Aber auch eine übermässige Produktion von Ohrenschmalz führt zu Rückkopplungen, wenn es einen Pfropfen bildet und den Gehörgang verstopft. Dieser reflektiert den Schall des Hörgeräts nämlich direkt zurück. Die Entfernung eines solchen Pfropfens sollte vom HNO-Arzt vorgenommen werden. Dieser und ihr Hörgeräteakustiker stehen ausserdem bei der Planung des weiteren Umgangs mit den Pfeiftönen zur Beratung zur Verfügung.

Hörsturz

Was ist ein Hörsturz?

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender, einseitiger Hörverlust. In der Regel entwickelt sich dieser bei einem Hörsturz innerhalb von 24 Stunden. Zu dem Hörverlust kommt es dadurch, dass die Signale aus dem Innenohr nicht verarbeitet und an das Gehirn weitergeleitet werden können (Schallempfindungsschwerhörigkeit). Betroffene hören dadurch auf dem Ohr leiser und nicht mehr die Töne aller Frequenzen – in einigen Fällen liegt sogar eine vollständige Schwerhörigkeit vor, mit dem betroffenen Ohr können keine Geräusche mehr wahrgenommen werden. Allerdings ist eine Schallempfindungsschwerhörigkeit nicht automatisch ein Hörsturz. Sie kann auch durch andere Faktoren auftreten, beispielsweise starken Lärm oder eine Virusinfektion. Um einen Hörsturz von einer anderweitigen Schallempfindungsschwerhörigkeit abzugrenzen, müssen noch weitere Faktoren betrachtet werden.

Häufig treten vor einem Hörsturz ein Tinnitus oder ein Druckgefühl im Ohr auf, die auch noch anhalten, wenn der Hörverlust eingetreten ist. In einigen Fällen bleibt ein Tinnitus bestehen, wenn der Hörsturz bereits abgeklungen ist. Des Weiteren werden oft andere Symptome beschrieben, jedoch treten diese nicht bei allen Patienten auf. In seltenen Fällen ist ein Hörsturz beispielsweise mit Schwindelgefühlen verbunden. Häufiger beschreiben Patienten auch eine Verminderung der Drucksensibilität (Hypästhesie) der Ohrmuschel. Die Ursachen für einen Hörsturz sind letztlich nicht aufzuzeigen, weshalb er über eine Ausschlussdiagnose festgestellt werden muss. Die nicht erkennbare Ursache gilt dabei als eines der wichtigsten Erkennungskriterien eines Hörsturzes.

Zudem tritt er nie in Verbindung mit Ohrenschmerzen auf.

Was sind die Anzeichen von einem Hörsturz?

Einen Hörsturz erkennt man an einer in der Regel plötzlichen, einseitig auftretenden Schwerhörigkeit. Geräusche und Stimmen klingen merklich leiser und werden häufig auch nicht mehr eindeutig erkannt. Betroffene fühlen sich, als hätten sie ein Stück Watte oder einen Ohrstöpsel im Ohr. In einigen Fällen kündigt sich ein Hörsturz durch vorheriges Auftreten von Tinnitus oder Ohrendruck an. Manchmal treten sie auch gleichzeitig auf. Ein Hörsturz wird nicht selten auch mit Schwindelgefühlen in Verbindung gebracht.

Zur endgültigen Abklärung einer aufgetretenen Schwerhörigkeit sollte jedoch stets ein Arzt aufgesucht werden. Mit unterschiedlichen Tests kann dieser feststellen, ob dieser ein Hörsturz zugrunde liegt. Bei einer Ohrspiegelung werden zunächst Verstopfungen des Gehörgangs abgeklärt. Mithilfe verschiedener Hörtests wird anschliessend der Grad der Schwerhörigkeit ermittelt. Zudem wird dadurch festgestellt, ob es sich um Hörprobleme im Mittel- oder im Innenohr handelt. Ein Tonschwellenaudiogramm zeigt letztlich, in welchen Frequenzbereichen die Schwerhörigkeit vorliegt. Weitere Tests können den Arzt unter Umständen ebenfalls bei der Abklärung unterstützen, beispielsweise:

  • Ohrmikroskopie
  • Ultraschalluntersuchung
  • Bluttests
  • Blutdruckmessung

Zudem hilft dem Arzt Ihre bisherige Krankengeschichte (Anamnese) weiter. In dieser kann er auf weitere Hinweise stossen, die für den Hörverlust eine andere Ursache als einen Hörsturz nahelegen.

Wie kommt es zum Hörsturz?

Wodurch ein Hörsturz genau entsteht, ist bisher nicht bekannt. Häufig werden Durchblutungsstörungen, Infektionen und Stress als mögliche Ursachen angesehen. Obwohl die genaue Ursache der plötzlich auftretenden Schwerhörigkeit nicht geklärt ist, sind jedoch einige begünstigende Faktoren bekannt.

Da vor allem Änderungen der Durchblutungsverhältnisse als Risiko für einen Hörsturz angesehen werden, sind besonders Menschen mit folgenden Eigenschaften gefährdet, einen Hörsturz zu erleiden:

  • Raucher
  • Personen mit Übergewicht
  • Diabetiker
  • Personen mit Bluthochdruck
  • Personen mit hohen Cholesterinwerten

Auch Virusinfektionen oder -reaktivierungen im Hörorgan – beispielsweise eine Mittelohrentzündung – werden häufig als Verursacher in Betracht gezogen. Die in Verbindung mit einer Infektion häufig auftretenden Schwellungen stehen zudem in Verdacht, das Hörvermögen negativ zu beeinflussen. Ausserdem können Viren auch den Hörnerv befallen und dadurch das Hörvermögen des Betroffenen beeinträchtigen.

In Verbindung mit einer Infektion kommt es des Öfteren auch zu einer Überproduktion von Ohrenschmalz. Kann dieses jedoch nicht abfliessen, beispielsweise weil es verdickt ist, lagert es sich nach und nach im Gehörgang ab und verstopft diesen. Dadurch gelangen akustische Signale von aussen nur noch gedämpft in das Ohr, Betroffene hören schlechter. Ein Ohrenschmalzpfropf kann von einem Arzt jedoch schnell als Ursache identifiziert werden. Der Pfropf wird aus dem Ohr des Patienten entfernt, wodurch das Hörvermögen in der Regel wiederhergestellt wird.

Stress galt lange Zeit als Hauptfaktor für einen Hörsturz, bis heute konnte diese Behauptung jedoch nicht bewiesen werden. Stress kann zwar Erkrankungen des Ohrs oder Probleme bei der Durchblutung begünstigen und ist auf Dauer nicht gesundheitsfördernd – als klare Ursache für einen Hörsturz gilt er jedoch nicht mehr.

Wie kann man einen Hörsturz behandeln?

Häufig lässt ein Hörsturz innerhalb von 24 Stunden nach dem Auftreten wieder nach und verschwindet letztlich von selbst. Ist die Schwerhörigkeit jedoch besonders stark und wird sie von anderen Symptomen – zum Beispiel Schwindel – begleitet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Ebenso verhält es sich, wenn ein Hörsturz länger anhält.

Behandlung eines akuten Hörsturzes

Die konkrete Ursache für Hörstürze ist jedoch nicht bekannt, wodurch es keine stets zur Anwendung kommende Heilmethode gibt. Kurz nach einem Hörsturz wird zunächst versucht, die Risikofaktoren zu reduzieren, also vor allem eine bessere Durchblutung des Ohres sicherzustellen. Am verbreitetsten und bewährtesten ist hierbei die Behandlung mit durchblutungsfördernden (rheologischen) Mitteln. Diese sorgen für eine bessere Zirkulation des Blutes, welches unter anderem für den Nährstofftransport in und aus dem Innenohr verantwortlich ist. Durch die rheologischen Infusionen sollen die Sinneshärchen im Innenohr wieder besser versorgt werden. In Kombination damit wird häufig auch entzündungshemmende Mittel eingesetzt. Hierdurch sollen eventuelle Schwellungen im Ohr abklingen, die das Gehör negativ beeinflussen. Dabei kommen in der Regel Kortisonspräparate zum Einsatz, die entweder per Infusion oder in Tablettenform verabreicht werden. Nicht unüblich ist auch das Spritzen eines solchen Präparats direkt in das Mittelohr. Hierzu durchsticht der Arzt mit einer Spritze das Trommelfell und gibt das Kortison direkt ins Mittelohr, von wo aus es auch in das Innenohr gelangt.

In besonders schwerwiegenden Fällen kommt eine sogenannte Blutwäsche (Apherese) zum Einsatz. Hierbei wird das Blut des Patienten aus seinem Körper geleitet und dort maschinell von Gerinnungsstoffen und Fetten befreit, um seine Fliessfähigkeit zu verbessern. Anschliessend wird das Blut in den Körper des Patienten zurückgeleitet. Durch die Behandlung des Blutes wird eine bessere Durchblutung des Ohres erreicht.

Um ein weiteres Auftreten eines Hörsturzes zu vermeiden, sollten vor allem Patienten mit Übergewicht, hohem Blutdruck, Diabetes und hohen Cholesterinwerten versuchen, ihr Leben stressfreier zu gestalten. Zudem sollten Sie eine durch eine ausgewogene Ernährung und sportliche Betätigung versuchen, eine weitere Unterversorgung mit Blut zu vermeiden.

Behandlung bei lang anhaltendem Hörsturz

Hält ein Hörsturz längere Zeit an, kommt es zu einer Schädigung der Sinneshaarzellen im Innenohr, die vom Körper aus eigener Kraft nicht mehr repariert werden kann. Die aufgetretene Schwerhörigkeit ist dann dauerhaft und kann auch von Menschen nicht geheilt werden. Eine solche Schallempfindungsschwerhörigkeit gleichen Sie mit einem Hörgerät jedoch zumindest teilweise aus. Ein modernes Hörgerät ist dazu in der Lage, für das Ohr verlorene Frequenzen für den Betroffenen wieder hörbar zu machen. Dabei verstärkt es Signale nicht nur, sondern sorgt auch dafür, dass Störgeräusche ausgeblendet werden. Somit können die Hörgeräte auch dabei behilflich sein, wenn ein Hörsturz in Verbindung mit einem Tinnitus auftritt. Dadurch werden ein Teil des verlorengegangenen Hörvermögens wiederhergestellt und die Lebensqualität betroffener Patienten deutlich erhöht.

Was passiert bei einem Hörsturz im Ohr?

Die genaue Ursache eines Hörsturzes konnte bislang nicht geklärt werden. In der Forschung geht man unter anderem davon aus, dass verschiedene Faktoren zu einer Durchblutungsstörung in den kleinsten Blutgefässen des Innenohrs führen – beispielsweise weil die Blutplättchen dort verklumpen. Das Innenohr besteht aus der Hörschnecke (Cochlea) und dem Gleichgewichtsorgan. Akustische Signale werden in der Cochlea von den Sinneszellen des Corti-Organs registriert und in Nervensignale umgewandelt. Bei einer Durchblutungsstörung des Innenohrs kommt es allerdings zu einer Unterversorgung der Sinneshärchen von Nährstoffen und Sauerstoff, die diese durch das Blut erhalten. Dadurch können die Sinneszellen ihre Aufgabe nicht mehr verrichten, werden mitunter geschädigt und sterben bei lang anhaltender Unterversorgung schliesslich sogar ab. Können die Sinneshaare nun keine Informationen mehr aufnehmen und weiterleiten, hören Betroffene in den Frequenzbereichen der geschädigten Härchen schlechter oder gar nicht mehr.

Ohrendruck

Wie entsteht Ohrendruck?

Druck auf den Ohren kommt durch viele Umstände zustande. So kann die Ursache eine Belüftungsstörung sein, Ohrendruck kann aber auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten.

Funktionsstörung der Ohrtrompete

Um den im Ohr herrschenden Druck zu regulieren, ist die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum (Eustachie-RöhreOhrtrompete) von entscheidender Bedeutung, da nur durch sie Luft hinter das Trommelfell gelangen kann. Die Röhre hat zwei Funktionen: Einerseits sorgt sie für die Belüftung des Mittelohrs beziehungsweise der Paukenhöhle, andererseits kann durch die Ohrtrompete Sekret in den Rachen abfliessen, wodurch das Ohr freigehalten wird. Normalerweise öffnet sich die Eustachie-Röhre beim Kauen, Schlucken oder Gähnen, wodurch ein Druckausgleich zwischen Ohr- und Aussendruck stattfindet.

Ist die Ohrtrompete nun geschwollen, blockiert oder öffnet sie sich nicht richtig, kommt es zu einem unangenehmen Druckgefühl im Ohr. Dieses entsteht dadurch, dass sich das Trommelfell durch den entstandenen Unterdruck im Ohr nach innen wölbt. Dieser Effekt tritt vor allem in bestimmten Situationen vermehrt auf, beispielsweise bei Start und Landung mit dem Flugzeug, im Fahrstuhl eines Hochhauses, beim Tauchen oder beim Durchfahren eines Tunnels. Können diese Druckunterschiede bei normaler Funktion der Ohrtrompete durch Schlucken oder Gähnen ausgeglichen werden, bleibt der Druck bei gestörter Funktion bestehen.

Zudem kann es durch einen Verschluss der Ohrtrompete auch zur Ansammlung von Sekret kommen, das nicht mehr abfliessen kann, sich am Trommelfell sammelt und gegen dieses drückt. Das führt nicht nur zu einem unangenehmen Druckgefühl, sondern häufig auch zu begleitenden Ohrenschmerzen.

Allerdings kann es auch passieren, dass die Ohrtrompete ständig geöffnet ist – meistens kommt es dazu durch Veränderungen im Fett- und Bindegewebe in der Nähe der Röhre. Auch eine dauerhaft geöffnete Röhre kann zu Druck auf den Ohren führen.

Weitere Ursachen, die zu Ohrendruck führen können

Ein Druckgefühl im Ohr muss jedoch nicht immer mit einer Fehlfunktion der Eustachie-Röhre zusammenhängen. Auch andere Faktoren können dafür verantwortlich sein. Ist der Gehörgang beispielsweise durch Ohreschmalz verstopft, führt das nicht nur zu einem vorübergehenden Hörverlust, es sorgt häufig auch für Ohrendruck. Auch ein Hörsturz infolge einer gestörten Durchblutung des Ohres kann das Druckgefühl zur Folge haben. Zudem ist er häufig eine Begleiterscheinung von:

  • Schwellungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich
  • Kiefergelenksproblemen
  • Innenohrerkrankungen (z. B. Morbus Menière)
  • Muskelverspannungen in Gaumen oder Kiefer
  • Fehlbelastung der Halswirbel
  • Tumoren

Was kann man gegen Ohrendruck tun?

Einigen Ursachen von Ohrendruck kann man vorbeugen, oft lässt sich das Druckgefühl zudem mit einfachen Mitteln entfernen. Liegt ihm eine Krankheit oder eine Fehlfunktion des Ohres oder der Ohrtrompete zugrunde, kann eine Behandlung mitunter aufwendiger sein und sollte möglichst von einem Arzt durchgeführt werden.

Druckausgleich bei akutem Ohrendruck

Tritt auf einem oder beiden Ohren plötzlich ein Druckgefühl auf, kann dieses oft mit einfachen Mitteln behoben werden. Schlucken Sie mehrmals, kauen Sie (beispielsweise ein Kaugummi) und versuchen Sie zu gähnen. Da sich durch derartige Bewegungen im Normalfall die Ohrtrompete öffnet, gleichen Sie dadurch Unter- oder Oberdruck im Ohr aus. Helfen diese Bemühungen nicht, führen Sie das sogenannte Valsalva-Manöver aus: Halten Sie sich dazu die Nase zu und den Mund geschlossen während Sie langsam ausatmen. Da die Luft nicht durch Mund oder Nase austreten kann, wird sie in die Eustachie-Röhre gedrückt, wodurch ein Druckausgleich im Mittelohr durchgeführt wird.

Tritt ein Problem mit dem Ohrendruck häufig vor Flügen auf oder sind Sie bei Reiseantritt erkältet, hilft die vorherige Verwendung von Nasenspray. Die abschwellende Wirkung des Sprays sorgt dafür, dass die Luft in Nasenrachenraum und der Ohrtrompete besser zirkulieren kann und einem Druckgefühl im Ohr vorgebeugt wird. Das Spray sollte in diesem Fall auch noch einmal vor der Landung verwendet werden.

Behandlung von dauerhaftem Ohrendruck

Lässt sich Ohrendruck nicht durch Kauen oder ähnliche Methoden beheben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache des Drucks festzustellen und beheben zu lassen. Im einfachsten Fall entsteht der Druck durch einen Ohrenschmalzpfropf im Gehörgang. Diesen kann der Arzt durch eine Ohrenspülung in der Regel entfernen.

Entsteht der Druck am Trommelfell durch eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr und kann sie nicht abfliessen, hilft bei länger anhaltenden Problemen ein kleiner operativer Eingriff. Hierbei wird das Trommelfell durchstochen, sodass die Flüssigkeit durch die kleine Öffnung nach aussen abfliessen kann. Tritt dieses Problem häufig auf, kann in das Trommelfell ein Paukenröhrchen eingesetzt werden, das die Belüftung des Mittelohrs sicherstellt und durch das Flüssigkeiten austreten können.

Für Flüssigkeitsansammlungen oder Druckunausgeglichenheiten sind häufig Krankheiten wie eine Erkältung verantwortlich. Diese sorgen dafür, dass Schleimhäute entzündet sind oder Tele des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs anschwellen, die für die Belüftung des Ohres zuständig sind – beispielsweise die Ohrtrompete. Auch eine allergische Reaktion kann für ein Anschwellen dieser sorgen und Ohrendruck verursachen. In solchen Fällen hilft es, die Krankheit mit Medikamenten zu behandeln. Je nach Ursache helfen hierbei abschwellendes Nasenspray, Antibiotika oder antiallergische Mittel weiter.

Regelmässig auftretender Ohrendruck kann letztlich auch von Wirbelfehlbelastungen und Muskelverspannungen herrühren. Stellt Ihr Arzt derartige Beschwerden als Ursache fest, hilft die Teilnahme an physiotherapeutischen Massnahmen dabei, den Druck zu lindern.

Warum bekommt man Ohrendruck im Tunnel?

Vor allem bei der Reise mit Schnellzügen kommt es bei vielen Menschen zu einem Druckgefühl auf den Ohren, wenn dieser in einen Tunnel fährt. In manchen Fällen reichen die Beschwerden sogar bis zu Ohrenschmerzen. Grund dafür ist die starke Druckveränderung, die die Luft beim Einfahren des Zuges erfährt. Trifft der Zug auf die Tunnelöffnung, drückt er die Luft vor sich in den Tunnel hinein. Da innerhalb des Tunnels nicht genug Platz für die Luft ist, um den Zug zu „umgehen“, wird sie zusammengepresst, wodurch der Luftdruck ansteigt. Die sehr kurze Zeit, in der die Luft zusammengepresst wird, reicht für den Körper allerdings des Öfteren nicht aus, um einen Druckausgleich im Ohr vorzunehmen, die Folge ist ein Druckgefühl.    

Warum bekommt man Ohrendruck beim Fliegen?

Bei dem Start und der Landung eines Flugzeugs überwindet dieses in einer relativ kurzen Zeit grosse Höhenunterschiede. Dichte und somit auch der Druck der Luft nehmen mit ansteigender Höhe jedoch ab. Bei einem Flug mit dem Flugzeug findet diese Druckveränderung jedoch so schnell statt, dass der automatische Druckausgleich des Körpers nicht funktioniert. Die Folge ist nach dem Start ein Überdruck im Ohr – landet das Flugzeug, steigt der Aussendruck, wodurch es bei fehlendem Druckausgleich zu einem Unterdruck im Ohr kommt.

Hörverlust

Wie entsteht ein Hörverlust?

Ein Hörverlust kann durch unterschiedliche Einflüsse ausgelöst werden. Hierbei gilt es zunächst die Arten eines Hörverlusts zu differenzieren, denn diese haben verschiedene Ursachen.

Hörverlust durch Schallleitungsschwerhörigkeit

Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit wird das Hörvermögen dadurch gemindert, dass der von aussen kommende Schall nicht vollständig an das Innenohr vordringen kann. Dies kann einerseits nur vorübergehende Ursachen haben, wie beispielsweise einen Ohrenschmalzpfropf oder eine Entzündung des Gehörgangs. In diesem Fall spricht man von einer vorübergehenden Schallleitungsschwerhörigkeit. Andererseits ist es auch möglich, dass durch Gehörgangsfehlbildungen, ein Loch im Trommelfell oder Fehlbildungen der Ohrmuschel die Weiterleitung des Schalls dauerhaft gestört ist – dann liegt eine permanente Schallleitungsschwerhörigkeit vor.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Hierbei ist das Innenohr geschädigt. Die auftreffenden Schallsignale können nicht mehr vollständig verarbeitet werden. Sowohl die Haarzellen im Innenohr als auch Nervenanteile arbeiten in diesem Fall nicht richtig, wodurch nicht das vollständige Audiosignal gehört wird – Betroffene eines sogenannten sensorineuralen Hörverlusts nehmen bestimmte Laute nicht mehr wahr. Zu einer derartigen Schädigung des Innenohrs kommt es meistens durch zu viel Lärm, aber auch andere Ursachen können einen derartigen Hörverlust auslösen, beispielsweise:

  • genetisch bedingte Schwerhörigkeit
  • Virusinfektionen, z. B. Mumps, Masern, Röteln
  • Hörsturz
  • Tumore
  • Schädeltraumata

Kombinierter Hörverlust

Bei einem kombinierten Hörverlust liegen sowohl ein Schallleitungsanteil als auch ein Schallempfindungsanteil vor, diese sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Je nachdem, welcher Anteil grösser ist, ändert sich das Hörempfinden des Betroffenen. Für einen derartigen kombinierten Hörverlust können unter anderem eine chronische Mittelohrentzündung, eine Erkrankung des Knochens, der das Innenohr umgibt (Otosklerose), oder Ursachen der einzelnen Schwerhörigkeiten verantwortlich sein.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Bei einer AVWS ist keine Erkrankung der Ohren die Ursache. Während diese normal funktionieren, kommt es bei der Verarbeitung der Signale zwischen Innenohr und Gehirn jedoch zu Problemen. Die Ursachen einer AVWS sind weitgehend ungeklärt.

Was kann man bei einem Hörverlust tun?

Da einem Hörverlust unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können, unterscheidet sich auch die Art der Therapie von Mal zu Mal. In vielen Fällen kann Betroffenen jedoch dabei geholfen werden, ihr Hörvermögen zumindest zu bessern.

Therapie einer Schallleitungsschwerhörigkeit

Die Behandlung eines derartigen Hörverlusts ist abhängig davon, ob es sich um einen vorübergehenden oder einen permanenten Fall handelt. Liegt die Ursache des Hörverlusts darin, dass der Gehörgang durch einen Fremdkörper oder Ohrenschmalz verstopft wird, wird das Problem in der Regel damit beseitigt, die Blockade zu lösen. Und auch, wenn eine Belüftungsstörung – zum Beispiel durch ein Anschwellen der Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachen (Eustachi-Röhre) – vorliegt, kann diese durch Medikamente leicht behoben werden.

Schwieriger gestaltet sich die Behandlung bei einer permanenten Schallleitungsschwerhörigkeit. Zerstörte oder geschädigte Gehörknöchelchen können in manchen Fällen durch recht aufwändige Operationen zumindest teilweise ersetzt werden. Auch grössere Beschädigungen des Trommelfells lassen sich mitunter operativ beheben. In einigen Fällen hilft auch ein professionelles Hörgerät dabei, die von aussen kommenden Schallsignale vollständig an das Innenohr weiterzuleiten.

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit behandeln

Für eine dauerhafte Schädigung des Innenohrs gibt es keine wirksame Therapie. Daher ist es wichtig, einen derartigen Hörverlust schnell zu erkennen. Denn auch wenn er nicht geheilt werden kann, so lässt er sich zumindest mit einem modernen Hörgerät behandeln. Diese können auf den Hörverlust eines Betroffenen abgestimmt werden und genau die Frequenzen wieder hörbar machen, die durch die Schädigung der Sinnenzellen eigentlich nicht mehr zu hören waren. Zudem sind sie dazu in der Lage, die akustische Umgebung des Trägers selbstständig zu analysieren und sich an sie anzupassen. So werden beispielsweise Umgebungsgeräusche abgeschwächt und menschliche Sprache verstärkt. In Verbindung mit Hörtrainings ist es so durch ein Hörgerät möglich, der Schwerhörigkeit entgegenzuwirken.

Die Behandlung einer AVWS

Liegt einem Hörverlust eine AVWS zugrunde, ist eine Heilung nicht möglich. Durch die Anwendung verschiedener Therapien kann zwar mitunter eine Besserung erreicht werden, eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Zu den verbreitetsten Behandlungsmethoden zählen Hörgeräte sowie Hörtrainings, bei denen Betroffene lernen, Laute zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.

Tinnitus

Was ist ein Tinnitus?

Als Tinnitus bezeichnet man ein klingelndes, pfeifendes oder rauschendes Geräusch auf einem oder beiden Ohren. In 99 Prozent der Fälle können nur die Betroffenen selbst die Geräusche wahrnehmen, man spricht dabei von einem subjektiven Tinnitus. Bei einem objektiven Tinnitus ist es hingegen möglich, die Geräusche auch von aussen zu hören. Bei dieser seltenen Form des Tinnitus entstehen die Geräusche beispielsweise durch Blut, das durch verengte Blutgefässe fliesst. In solchen Fällen vernehmen Betroffene ein Zischen oder Rauschen. Da bei einem objektiven Tinnitus eine körperliche Ursache festgestellt werden kann, ist seine Behandlung relativ einfach.

Die genaue Ursache eines subjektiven Tinnitus ist allerdings unbekannt, er tritt meist als Folgeerscheinung anderer Ohrerkrankungen auf. Es wird vermutet, dass die für das Hören zuständigen Neuronen selbst anfangen, Signale zu senden, wenn sie keine Reize aus dem Innenohr mehr erhalten.

Häufig verschwinden plötzlich auftretende Ohrgeräusche nach kurzer Zeit wieder, in einigen Fällen nisten sie sich aber stunden-, tage- oder monatelang im Kopf der Betroffenen ein – teilweise gehen sie nie wieder fort.

Akuter und chronischer Tinnitus

Innerhalb der ersten drei Monate nach seinem Auftreten gilt ein Tinnitus als akut. Allerdings sollte nicht bis zum Ablauf dieser Frist mit einem Arztbesuch gewartet werden, spätestens nach einigen Tagen sollten Sie einen Expertenrat einholen. Denn bei länger anhaltenden Ohrgeräuschen besteht die Gefahr, einen chronischen Tinnitus zu erleiden. Halten die Geräusche mehr als drei Monate an, verringern sich die Heilungschancen drastisch. Nach diesem Zeitraum ist es in der Regel nicht mehr möglich, dem Gehirn seine neuen Verhaltensmuster abzutrainieren. Bei einem chronischen Tinnitus zielt eine Behandlung daher meist nicht mehr auf eine Heilung ab. Patienten sollen dann vielmehr lernen, mit den Geräuschen zurechtzukommen und sie soweit möglich zu ignorieren.

Tinnitus: Begleiterscheinung anderer Krankheiten

Ohrengeräusche beziehungsweise Tinnitus sind jedoch kein eigenes Krankheitsbild, sie treten in der Regel immer als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auf. Um einen Tinnitus loszuwerden, gilt es daher, die ihm zugrundeliegende Krankheit zu heilen. Vor allem dauerhafter Stress, Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen begünstigen das Auftreten eines subjektiven Tinnitus, aber auch zahlreiche andere Krankheiten können die lästigen Ohrgeräusche mit sich bringen, zum Beispiel:

  • Verletzungen des Trommelfells
  • Hörsturz
  • Knalltrauma
  • Erkältung
  • Mittelohrentzündung
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Arteriosklerose

Häufig hängen Ohrgeräusche auch mit Problemen im Bereich der Halswirbelsäule oder des Kiefers zusammen. Da zwischen den Nerven in der Nähe der Halswirbel und denen des Gehörs Verbindungen bestehen, kann beispielsweise eine verspannte Nackenmuskulatur auch einen Tinnitus zur Folge haben. Ähnlich verhält es sich mit Kiefergelenks- oder Kaumuskelproblemen. So kann auch regelmässiges Zähneknirschen Ohrgeräusche verursachen.

Tinnitus als Nebenwirkung

Doch nicht nur körperliche oder seelische Beschwerden stehen in Verdacht einen Tinnitus auslösen zu können. Auch einige Medikamente, die zur Heilung anderer Krankheiten eingesetzt werden, haben mitunter Ohrengeräusche als Nebenwirkung. So sollte vor allem bei der Einnahme von hochdosierten Schmerzmitteln, Blutdruckmedikamenten, Antidepressiva oder Medikamenten, die bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen, auf die Nebenwirkungen geachtet werden. Kommt es während der Therapie zu einem Tinnitus, sollten Sie möglichst früh mit dem Arzt über eine Medikamentenumstellung sprechen, um zu verhindern, dass der Tinnitus chronisch wird.

Was kann ein Tinnitus auslösen?

Die klare Ursache für einen Tinnitus ist nicht bekannt. Lange Zeit vermutete man, er entstünde dadurch, dass das Innenohr fälschlicherweise dauerhaft Signale an das Gehirn sende. Aus diesem Grund wurde als Therapie bei schweren Tinnitusleiden früher der Hörnerv durchtrennt. Allerdings verschwanden die Geräusche dadurch nicht, der Patient war taub, konnte den Tinnitus aber weiterhin wahrnehmen. Inzwischen wurde gezeigt, dass Tinnitus im Gehirn der Betroffenen entsteht. Da Tinnitus häufig in Verbindung oder als Folge einer Hörschädigung auftritt, vermutet man, dass das Gehirn versucht, die durch den Hörschaden fehlenden Töne selbstständig auszugleichen. Die Neuronen, die keine Signale mehr erhalten, erzeugen nun eigene Signale, die das Gehirn zu hören lernt. Da bei den betroffenen Neuronen aber keine Signale mehr ankommen, wenn das Gehör dauerhaft geschädigt ist, bleibt der Ton permanent hörbar. So sorgt das Gehirn dafür, dass der Tinnitus auftritt.

Allerdings sind Hörschäden nicht als alleinige Ursache festzuhalten. Viele andere Faktoren können bei der Entstehung eines Tinnitus beteiligt sein – selbst dann, wenn die eigentliche Ursache längst verschwunden ist, Sie den Ton aber trotzdem noch hören. Konzentriert man sich beispielsweise zu sehr auf einen Tinnitus – auch wenn er nur sehr schwach ausgeprägt ist – kann dies zu einer Verstärkung des Problems führen. Denn es kommt so dazu, dass sich das Gehirn besonders auf die „neuen“ Geräusche konzentriert und versucht, sie zu erlernen.

Wo entsteht ein Tinnitus?

Lange Zeit war unklar, wo sich ein Tinnitus entwickelt. Man ging davon aus, dass eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr für die Entstehung der Geräusche verantwortlich seien. Diese senden normalerweise Impulse an das Hörzentrum im Gehirn, wenn sie durch ein Schallsignal gereizt werden. Bei einem Tinnitus – so die Vermutung – liegt ein Defekt ihrer Funktion vor, beispielsweise aufgrund einer Unterversorgung mit Nährstoffen oder durch Lärmschädigung. Allerdings musste man feststellen, dass die Geräusche für Betroffene auch dann hörbar waren, wenn der Hörnerv durchtrennt wurde, also keine Signale mehr vom Ohr an das Gehirn weitergegeben werden konnten.

Die Geräusche müssen also im Gehirn selbst entstehen. Das Innenohr ist daran aber nicht unbeteiligt. Kommt es zu einer Hörminderung – zum Beispiel durch unterversorgte oder beschädigte Sinneshärchen – erhält das Hörzentrum in den betroffenen Frequenzen keine Signale mehr. Nun versuchen die zuständigen Neuronen dieses Defizit auszugleichen, indem sie selbst Signale erzeugen, die dann als Tinnitus wahrgenommen werden. Mit der Zeit lernt das Gehirn nun, diese Laute zu erzeugen und zu hören, in diesen Fällen bleibt ein Tinnitus auch bestehen, wenn die eigentliche Hörschädigung bereits behoben wurde. Daher geht man nach einer Zeit von drei Monaten von einem chronischen Tinnitus aus, bei dem die Heilungschancen deutlich niedriger sind als in der akuten Phase.

Was tun bei einem Tinnitus?

Wenn Sie auf einem oder beiden Ohren unangenehme Geräusche wie ein Pfeifen, Knacken oder Rauschen wahrnehmen, liegt der Verdacht auf einen Tinnitus nahe. In diesem Fall gilt es zunächst, sich zu entspannen. Vor allem sollten Sie übermässigen Stress und laute Umgebungen meiden. In der Regel verschwinden die Geräusche dann relativ schnell wieder von selbst, sie können jedoch bei erneutem Stress oder Überstrapazieren des Gehörs wieder auftreten.

In diesem Fall und auch dann, wenn die Geräusche trotz Entspannung nicht wieder aufhören, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Kann dieser die Geräusche mithilfe seiner Instrumente ebenfalls hören, liegt ein objektiver Tinnitus vor. Hier sorgt eine Schallquelle in der Nähe des Innenohrs für die Störgeräusche. Anders liegt der Fall, wenn der Arzt nichts hört. Ein solcher subjektiver Tinnitus ist weitaus häufiger, er tritt in 99 Prozent der Fälle auf. In diesem Fall gilt es, die dem Tinnitus zugrundeliegende Krankheut zu behandeln. Erfolgt die Behandlung innerhalb der akuten Phase – also innerhalb der ersten drei Monate nach Auftreten der Geräusche – stehen die Heilungschancen relativ gut. Nach dieser Frist ist es oft nicht möglich, die Geräusche verschwinden zu lassen, da die betroffenen Neuronen dann in der Regel „gelernt“ haben, die Signale dauerhaft zu senden.

Häufig hängt ein Tinnitus mit einer Hörminderung zusammen. Diese kann durch diverse Krankheiten, ein Knalltrauma oder das Alter ausgelöst werden. Um diesen Hörverlust auszugleichen, können Sie moderne Hörgeräte einsetzen. Diese sind weitaus mehr als reine Hörverstärker. Vielmehr sind es kleine Computer, die nicht nur die Lautstärke von Schallsignalen erhöhen, sondern sie auch bearbeiten. Je nach Modell und verbauter Technologien sind die kleinen Hörcomputer unter anderem dazu in der Lage, selbstständig zwischen verschiedenen Gesprächssituationen zu unterscheiden oder die Richtung zu erkennen, aus der ein Schallsignal kommt. Vor allem aber machen sie für den Träger nicht mehr hörbare Signale wieder wahrnehmbar. Bei einem Tinnitusleiden kommt zudem ein sogenannter Noiser zum Einsatz. Dieser hilft dabei, die Geräusche als weniger störend wahrzunehmen und sie weitgehend zu ignorieren.

Möglichkeiten zur Behandlung permanenter Ohrgeräusche

Es gibt bisher keine universelle Therapie, um einen länger anhaltenden Tinnitus erfolgreich zu behandeln. Bei den Behandlungsansätzen müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, beispielsweise der Auslöser und die Ausprägung der Ohrgeräusche. Zudem leiden viele Tinnitus-Patienten an Angststörungen und Depressionen, da ein Tinnitus nicht nur Hirnareale aktiviert, die für das Hören zuständig sind, sondern auch jene, die Emotionen wie Wut und Angst erzeugen. Für eine erfolgreiche Behandlung ist also oft auch ein Besuch beim Psychotherapeuten oder Neurologen erforderlich.

Häufig werden bei Tinnitus-Erkrankungen sogenannte Noiser eingesetzt, die die Patienten dabei unterstützen sollen, die Geräusche zu ignorieren. Der Noiser erzeugt ein stetiges, leises Rauschen, das leiser als der Tinnitus selbst ist. Das Gehirn soll nun mit der Zeit lernen, das Rauschen des Noisers als unwichtig einzustufen und zu akzeptieren. Dadurch lernt das Gehirn nach und nach auch, den Tinnitus als unwichtig einzustufen. Ist die Therapie erfolgreich, nehmen die Patienten die störenden Geräusche nicht mehr so deutlich wahr und können sich wieder besser konzentrieren. Noiser sind mittlerweile bereits in vielen modernen Hörgeräten integriert, die somit nicht nur bei der Behandlung des Tinnitus helfen, sondern auch eventuell vorliegende Hörschwächen ausgleichen.

Wer kann bei einem Tinnitus helfen?

Ein Tinnitus ist zunächst kein Grund zur Panik. Häufig verschwinden die Ohrgeräusche nach relativ kurzer Zeit wieder von selbst. Sie können sich beim Auftreten eines Tinnitus zunächst selbst helfen. Achten Sie darauf, Stress zu vermeiden und sich zu entspannen.

Sind die Geräusche nach 24 Stunden nicht abgeklungen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Mit Hörtests und weiteren Untersuchungen stellt dieser zunächst fest, ob ein subjektiver oder ein objektiver Tinnitus vorliegt. Zu Letzterem kommt es, wenn beispielsweise ein Ohrenschmalzpfropf oder eine Gefässverengung in der Nähe des Innenohrs Geräusche verursacht. Ein objektiver Tinnitus lässt sich daher in der Regel durch die Behebung des Problems heilen. Bei einem subjektiven Tinnitus wird die zugrundeliegende Erkrankung behandelt, um das Tinnitus-Geräusch in den Griff zu bekommen.

Wer bekommt einen Tinnitus?

Bei wem ein besonders hohes Risiko besteht, einen Tinnitus zu erleiden, lässt sich nicht pauschal sagen. Zwar treten die ersten Symptome meistens zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf, jedoch gibt es keine Indizien dafür, dass bestimmte Personengruppen gehäuft von diesem Hörproblem betroffen sind. Auch wenn ein Tinnitus häufig gemeinsam mit oder als Folge von dauerhaftem Stress, einer beginnenden Gehörlosigkeit in den oberen Frequenzbereichen oder anderen Ohrkrankheiten auftritt, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, welche Faktoren zu einem Tinnitus führen. Durch einen Hörschaden wird lediglich die Wahrscheinlichkeit erhöht, auch unter Ohrgeräuschen zu leiden. Ob diese dann lange anhalten, sich mit der Zeit verstärken oder auch wieder abklingen, lässt sich allerdings nicht klar vorhersagen.

Wie kann man einen Tinnitus ignorieren?

Häufig kann ein Tinnitus nicht geheilt werden, die Betroffenen hören die Geräusche also dauerhaft. Vor allem nach den ersten drei Monaten sinken die Heilungschancen drastisch. Ist in der akuten Phase kein Heilungsansatz erfolgreich und tritt keine Besserung ein, ist das aber noch nicht das Ende der therapeutischen Möglichkeiten. Mit verschiedenen Methoden lernen die Betroffenen, die Störgeräusche zu ignorieren.

Generell sollte man vor allem versuchen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Beispielsweise kann gezieltes Fokussieren auf bestimmte Geräusche dabei helfen, den Tinnitus auszublenden. So können Betroffene etwa beim Besuch eines Konzerts versuchen, nur auf einzelne Instrumente zu achten. Das gezielte Hörtraining allein reicht in der Regel allerdings nicht aus. Es sollte stets in Kombination mit entspannenden, verhaltenstherapeutischen Massnahmen eingesetzt werden, denn die Psyche spielt beim Tinnitus eine grosse Rolle. Das ständig vorhandene Störgeräusch sorgt für Stress, Unausgeglichenheit und mitunter auch Depressionen. Dadurch verstärkt sich allerdings auch die Wahrnehmung des Geräuschs, was ein gezieltes Weghören erschwert.

Ebenfalls hilfreich sind sogenannte Noiser, die das Gehirn dabei unterstützen, das Hören des Tinnitus zu verlernen. Die Noiser senden leise, nicht störende Geräusche an das Gehör des Trägers. Dabei darf das Geräusch den Tinnitus allerdings nicht übertönen. Der Patient muss nun lernen, sich auf dieses Geräusch zu konzentrieren. Ziel dieser Therapie ist es, durch die Gewöhnung an das Noiser-Geräusch auch eine Akzeptanz des ständig vorhandenen Tinnitus zu erreichen. Dieser ist dann zwar immer noch hörbar, die Betroffenen empfinden ihn aber nicht mehr als unangenehm störend, wodurch sich vor allem die psychischen Auswirkungen des Tinnitus verringern. Eine Behandlung mit Noisern ist ein langwieriger Prozess, da das Gehirn neue Verhaltensmuster erlernen mussen. Allerdings liegt die Erfolgsquote bei etwa 50 Prozent. Da ein Tinnitus oft in Zusammenhang mit einer Hörschädigung beziehungsweise einem Hörverlust auftritt, besitzen modernen Hörgeräten häufig bereits einen Noiser. Diese Geräte erfüllen dann gleich zwei Funktionen. Zum einen sorgen sie dafür, dass für das Ohr nicht mehr hörbare Frequenzen wieder wahrgenommen werden. Zum anderen hilft der verbaute Noiser dem Betroffenen dabei, sich an den Tinnitus zu gewöhnen.

Erfüllt der Tinnitus bestimmte Kriterien, kann auch die sogenannten CR-Neuromodulation zum Einsatz kommen. Bei dieser Methode werden die betroffenen Nervenzellen derart stimuliert, dass sie nicht mehr synchron arbeiten, wodurch das Gehirn den störenden Ton „verlernt“.

Warum ist ein Tinnitus bei einer Erkältung lauter?

Eine Erkältung kann nicht nur einen Tinnitus zur Folge haben, indem Viren durch die Ohrtrompete in das Mittelohr gelangen und dort Entzündungen auslösen. Bei einem bereits bestehenden Tinnitus wird dieser bei einer Erkältung häufig lauter empfunden als sonst. Das ist darauf zurückzuführen, dass durch die Erkältung das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen verringert ist. Körperliche und psychische Probleme treten dadurch in den Vordergrund, wodurch der ohnehin bereits als störend empfundene Tinnitus noch bewusster gehört und als Problem wahrgenommen wird.
Gratis Hörtest im Fachgeschäft Termin vereinbaren

Amplifon begleitet Sie

Termin vereinbaren

Jetzt buchen

Online Hörtest

Jetzt starten

Filiale in Ihrer Nähe

Filiale finden