Lagerungsschwindel – Symptome, Ursachen und Behandlungen

Wird Ihnen beim Aufstehen oder beim Umdrehen im Bett manchmal schwindlig? Dann kann der sogenannte Lagerungsschwindel dahinterstecken. Falls es sich tatsächlich um diese Erkrankung handelt, gibt es eine gute Nachricht: Der Lagerungsschwindel ist grundsätzlich ungefährlich. Die noch bessere Nachricht: Gegen den Schwindel können Sie einiges tun. Lesen Sie hier mehr über Ursachen, Symptome und mögliche Therapien und Übungen zur Behandlung.

Was ist ein Lagerungsschwindel?

Der gutartige Lagerungsschwindel – in der Fachsprache benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel genannt – ist ein Schwindelgefühl, das vor allem auftritt, wenn Sie Ihre Lage verändern. Das kann beim Drehen oder Neigen des Kopfes sein oder beim Hinlegen, Aufrichten oder Umdrehen im Bett. Betroffene haben das Gefühl, dass sich alles dreht. Die räumliche Wahrnehmung und die Orientierung sind gestört. Der gutartige Lagerungsschwindel ist eine von vier verschiedenen Formen von Schwindel (Vertigo). Die weiteren Schwindelarten – Attackendrehschwindel, anhaltender Drehschwindel und Schwankschwindel – treten aber deutlich weniger häufig auf.

Im Grundsatz ist Schwindel keine eigenständige Erkrankung, sondern neben Kopfschmerzen das häufigste Symptom einer Erkrankung des Nervensystems. Auch ein niedriger Blutdruck oder eine mangelnde Sauerstoffversorgung können Schwindel auslösen.

Lagerungsschwindel – Häufigkeit und Symptome

Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Form von Schwindel und tritt bei rund 2 Prozent der Erwachsenen auf. Er zeigt sich vor allem im fortgeschrittenen Alter. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Frauen sind deutlich öfter betroffen als Männer. Bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen tritt der Schwindel innerhalb von zwei Jahren erneut auf.

Die Fachbezeichnung «benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel» umschreibt zwei charakteristische Aspekte des Schwindels – «benign» steht für gutartig, «paroxysmal» steht für anfallartig. Das plötzliche Schwindelgefühl dauert in der Regel nur wenige Sekunden oder Minuten und ist grundsächlich nicht gefährlich. Unangenehm ist es jedoch allemal, vor allem dann, wenn es von Übelkeit und Brechreiz begleitet wird.

Das hauptsächliche Symptom des Lagerungsschwindels ist natürlich das Schwindelgefühl selbst. Daneben können aber auch andere Folgen auftreten.

Weitere Symptome des Lagerungsschwindels:

  • Schnelles, unkontrolliertes Zittern der Augenlider (Nystagmus)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schweissausbrüche
  • Gleichgewichtsprobleme, die zu Stürzen führen können

Lagerungsschwindel – Die häufigsten Ursachen

Die Schwindelanfälle beim gutartigen Lagerungsschwindel haben ihre Ursache in der sogenannten Canalolithiasis. Dabei lösen sich winzige Kalziumkarbonat-Kristalle resp. Ohrensteine (Otolithe) im Innenohr ab und gelangen in die Bogengänge des Ohres. Nahe dem Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan, das durch die Otolithen beeinflusst wird. Drehen Betroffene nun den Kopf in eine bestimmte Richtung, strömen die abgelösten Teilchen in den Bogengängen herum. Dadurch reizen sie Sinneszellen und lösen in der Folge eine «Falschmeldung» an das Gehirn über die Lage des Körpers aus. So kann ein Drehschwindel selbst im Liegen entstehen.

Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen können, dass sich Ohrensteine ablösen.

Häufige Ursachen:

  • Kopfverletzungen
  • Entzündungen im Innenohr, wo sich das Gleichgewichtsorgan befindet
  • Hoher Alkohol- oder Medikamenten-Konsum
  • Leichte Schädel-Hirn-Traumen
  • Längere Bettlägerigkeit
  • Hohes Lebensalter

Lagerungsschwindel – Diagnose

Bin ich von einem Lagerungsschwindel betroffen? Diese Frage kann der Hals-Nasen-Ohren-Arzt beantworten. Zunächst erkundigt er sich nach den genauen Beschwerden sowie Dauer und Häufigkeit der Schwindelanfälle. In der Folge führt der Arzt einen Provokationstest durch. In den meisten Fällen kommt die Dix-Hallpike-Lagerungsprobe – auch Dix-Hallpike-Manöver genannt – zum Einsatz. Der Arzt dreht den Kopf des sitzenden Patienten um 45 Grad zur nicht betroffenen Seite und legt den Körper des Patienten anschliessend nach hinten. Dadurch wird der Schwindel provoziert. Zusätzlich achtet der Arzt beim Betroffenen auf das charakteristische Augenzittern (Nystagmus), welches in der Regel wenige Sekunden nach dem Provokationstest auftritt.

Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Schwindelursache zweifelsfrei abzuklären sowie andere Ursachen und Schwindelformen ausschliessen zu können.

Lagerungsschwindel Therapie

Der gutartige Lagerungsschwindel ist grundsätzlich leicht behandelbar. In vielen Fällen tritt er aber innerhalb von zwei Jahren wieder auf. Die Therapie der Schwindelattacken erfolgt über spezielle Übungen, die vom Arzt beigebracht werden und leicht zu erlernen sind.

Die bekannten Lagerungsschwindel-Manöver:

  • Epley-Manöver
  • Semont-Manöver

Beide Manöver zielen darauf ab, die abgelösten Ohrensteine mithilfe der Schwerkraft aus dem Gleichgewichtsorgan heraus in die unempfindlichen Teile des Ohres zu befördern. Werden die Übungen korrekt durchgeführt, sollten die Symptome in relativ kurzer Zeit abklingen.

Wichtig für Betroffene: Da bei den Manövern der Drehschwindel hervorgerufen wird, sollten Sie die Übungen anfangs nicht alleine durchführen. Lassen Sie sich die genauen Bewegungen von einem Physiotherapeuten oder Arzt zeigen. Ausserdem können die Übungen den Gang zum Arzt nicht ersetzen.

Epley-Manöver:

Das Epley-Manöver besteht aus fünf verschiedenen Schritten. Bei diesem speziellen Lagerungstraining ist zu beachten, dass alle Bewegungen des Kopfes zügig ausgeführt werden.

  1. Begonnen wird in der aufrechten Sitzposition. Der Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen auf der Liege. In dieser Position wird der Kopf um 45 Grad in die betroffene Richtung geneigt.
  2. In der Folge legt sich der Patient möglichst rasch auf den Rücken. Dabei sollte der Kopf über die Liege hinausragen und schräg nach unten hängen. Nun sollte der Schwindel auftreten. Der Patient verweilt mindestens eine Minute in dieser Position, bis der Schwindel vollkommen ausgeklungen ist.
  3. Anschliessend dreht der Patient den Kopf um 90 Grad auf die gesunde Ohrenseite. Nun bleibt er mindestens 60 weitere Sekunden in dieser Position, bis der Schwindel aufhört.
  4. Nun folgt der restliche Körper. Der Kopf wird bei dieser Bewegung nicht verändert, der Körper dreht sich lediglich auf die Seite des gesunden Ohres. Der Betroffene wartet wieder mindestens 60 Sekunden ab.
  5. Beim letzten Schritt richtet sich der Patient aus der Seitenlage auf, sodass er an der Seite der Liege sitzt und die Beine frei baumeln können.

Um dem Symptom der Übelkeit beim Manöver entgegenzuwirken, hilft es, während des Trainings die Augen geschlossen zu halten. Bei vielen Betroffenen führt die Anwendung des Manövers relativ rasch zum Verschwinden der Symptome. Die fünf Bewegungen können mehrmals am Tag wiederholt werden.

Sémont-Manöver:

Eine zweite mögliche Bewegungstherapie ist das Sémont-Manöver.

1. Der Patient setzt sich aufregt auf die Liege, dem Arzt zugewandt, sodass seine Beine herunter von der Sitzfläche baumeln. Der Kopf wird um 45 Grad zur gesunden Seite gedreht, das betroffene Ohr zeigt in Richtung des behandelnden Arztes.

2. Jetzt wird der Patient ohne Änderung der Kopfhaltung abrupt auf die betroffene Seite gelegt, sodass der Betroffene an die Decke schaut. Der Patient bleibt in dieser Position, bis der Schwindel aufhört. Das sind in der Regel etwa zwei bis drei Minuten.

3. Anschliessend folgt eine abrupte Verlagerung des Patienten auf die andere, gesunde Seite. Die Kopfposition wird dabei nicht verändert, der Betroffene schaut in Richtung der Liege.

4. Nach zwei bis drei Minuten richtet der Patient sich langsam wieder auf und sitzt dann weitere drei Minuten in der Ausgangsposition.

Auch diese Übung kann mehrmals am Tag wiederholt werden. Zeigen die Therapien die gewünschte Wirkung, können die Übungen eingestellt werden. Gewöhnlich reichen fünf bis zehn Tage, an denen die Übungen durchgeführt werden, um den Schwindel zu vermeiden.

Lagerungsschwindel – Medikamente und Homöopathie

Es gibt keine bekannten Medikamente, mit denen sich die Auslöser des Schwindels – die Ohrensteine – auflösen oder entfernen lassen. Zwar besteht die Möglichkeit, den Schwindel medikamentös zu unterdrücken. Dies würde jedoch die Symptomatik lediglich verschieben. Zudem würde es dem Gehirn die Fähigkeit rauben, sich auf die neue Situation einzustellen und darauf zu reagieren. Die therapeutischen Befreiungsmanöver stehen deshalb stets im Fokus.

Die einzelnen Symptome des Schwindels lassen sich hingegen zum Teil medikamentös behandeln. Leiden Betroffene unter starker Übelkeit oder Erbrechen, können Medikamente oder homöopathische Mittel zur Linderung eingesetzt werden. Bei sehr starken Symptom-Beschwerden ohne Aussicht auf Besserung hilft nur ein operativer Eingriff am Innenohr.

Lagerungsschwindel – Verlauf und Komplikationen

Der Lagerungsschwindel ist keine gefährliche Erkrankung. Meistens verschwinden die Symptome von alleine wieder, in der Regel innerhalb von einigen Wochen bis Monate. Allerdings kann der Schwindel selbst nach gelungener Therapie immer wieder auftreten, selbst nach mehreren Jahren.

Nur sehr selten führt die Erkrankung zu dauerhaften Komplikationen. Dennoch ist es in jedem Fall wichtig, den Arzt aufzusuchen und bei Bedarf eine Therapie durchzuführen. Auf diese Weise können die Beschwerden relativ schnell und einfach beseitigt werden.

Natürlich können die Begleiterscheinungen des Schwindels sehr störend sein. Umso wichtiger ist es für Betroffene, im Alltag damit umgehen zu lernen.

Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Psychische Folgen: Schwindel kann die Psyche belasten, beispielweise durch häufiges nächtliches Aufwachen aufgrund des Schwindels.
  • Vermeidungsverhalten: Bestimmte Bewegungen, zum Beispiel ein schnelles Kopfdrehen, werden vermieden.
  • Sturzgefahr: Durch die auftretenden Gleichgewichtsstörungen steigt die Gefahr von Stürzen.
  • Eingeschränkte Lebensqualität: Verhalten und Wohlbefinden können durch andauernde Schwindelgefühle negativ beeinflusst werden.

Lagerungsschwindel – Was tun?

Glauben Sie, dass Sie an einem Lagerungsschwindel leiden?

Dann zögern Sie nicht und vereinbaren Sie einen Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt.