7. "Let's make noise"

1. Lärmkrankheit
2. Urbanisierung als Hauptursache der Lärmbelastung
3. Wie reagieren wir auf Lärm?
4. Lärmprävention: lärmbedingten Hörschäden vorbeugen
5. Wenn es im Ohr "rauscht"
6. Vertiefung 5. Teil: Tinnitus und Hyperakusis
7. "Let's make noise" 

Unter 7. weitere Informationen zum Konsensuspapier

Aufmerksamkeit erzeugen, um eine Sensibilisierung zu erreichen

Bisher haben nur wenige Menschen schon einmal etwas von der "Lärmkrankheit" gehört. Die Daten aus der Umfrage von GfK Eurisko belegen, dass nur einer von zwei Personen bewusst ist, dass Hörverlust durch häufige und andauernde Exposition gegenüber intensivem Lärm verursacht werden kann. In Ländern wie Italien, Portugal und Neuseeland besteht diesbezüglich ein hoher Kenntnisstand von 60 %, dennoch wissen die Menschen in den meisten Ländern nur wenig über lärminduzierte Schäden; insbesondere den jüngeren Generationen scheinen die Risiken weniger bewusst zu sein, obwohl sie ihnen potenziell stärker ausgesetzt sind. Die potenziellen Folgen des Lärms werden in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA erheblich unterschätzt. 54 % der Befragten wissen, dass exzessiver Lärm Stress erzeugen kann, 49 % ist bewusst, dass er den Schlaf stören kann, 47 % wissen, dass er Gereiztheit verursachen kann, und 45 % ist bewusst, dass Lärm die Konzentration herabsetzen kann. Jedoch weiß kaum ein Fünftel der Menschen, dass Lärm mit einem höheren Risiko für Angststörungen assoziiert ist, und weniger als eine von fünf Personen assoziiert Erinnerungsstörungen und ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen mit einer exzessiven Lärmexposition, wobei dies ein Zusammenhang ist, der erst kürzlich entdeckt wurde. Nur 28 % der Bevölkerung glauben, dass sie ausreichend über lärminduzierte Schäden informiert sind, mit Spitzenwerten von mehr als 40 % in Italien und Portugal, verglichen mit einem Anteil von gerade einmal 20 % ordnungsgemäß informierter Personen in den Niederlanden und Großbritannien.

Das fehlende Bewusstsein ist ein Grund für die unzureichende Prävention von lärminduzierten Schäden, sowohl auf persönlicher als auch auf allgemeiner Ebene. Das erste Ziel muss daher darin bestehen, ein Bewusstsein für die Risiken einer Lärmexposition und die Geräuscharten, die das Gehör beeinträchtigen können, zu schaffen. Ebenso wichtig ist es, den Menschen detaillierte Informationen zu den Symptomen des lärminduzierten akustischen Traumas an die Hand zu geben, das trotz der nur zeitweise auftretenden Symptome permanente Nervenschäden nach sich ziehen kann und deshalb als Warnsignal betrachtet werden muss, das uns signalisiert, dass wir uns angemessen vor Lärm schützen müssen. Es sollten Hinweise zu geeigneten Maßnahmen gegeben werden, z. B. bezüglich des "Aussperrens" externen Lärms durch akustische Barrieren, wie z. B. Doppelverglasung, lärmunterdrückende Kopfhörer und Ohrstöpsel für Profimusiker, die auch von den Besuchern von lauten Konzerten und Discogängern getragen werden sollten.

Eine breitere öffentliche Bewusstseinsbildung bezüglich der Risiken einer Lärmexposition sollte auch zu Maßnahmen und Vorschriften führen, die geeignet sind, um die Bürger zu schützen, wobei es sich z. B.um Maßnahmen wie die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Straßen zu bestimmten Tageszeiten und strengere Vorschriften für öffentliche Plätze handeln kann. Der bei Konzerten, in Discos und Kneipen erlaubte Lärmpegel sollte neu reguliert werden. Außerdem ist es unerlässlich, die vermeintlich sicheren Expositionswerte zu überprüfen, da aktuelle Studien darauf hinweisen, dass Schädigungen durch geringere Lärmpegel verursacht werden können, als heute für sicher gehalten werden.

Um die Diagnosefähigkeit zu verbessern und lärminduzierten Hörverlust dementsprechend besser behandeln zu können, benötigen wir zudem Tests, mit denen die zugrunde liegenden Nervenschädigungen erkannt werden können, sodass ein frühzeitiges Eingreifen möglich ist. Ebenso wichtig sind die Schaffung eines Bewusstseins und die Verbesserung der Gebrauchseigenschaften von Hörgeräten, da diese Möglichkeit immer noch von vielen Menschen ignoriert wird.

Wenn zudem auch noch das Stigma abgebaut werden könnte, das mit Hörgeräten assoziiert ist, würden mehr Menschen besser über die Vorteile von Hörgeräten informiert sein und diese Geräte auch selbstbewusst nutzen können. In naher Zukunft werden diese immer besser an den individuellen Nutzer anzupassenden Geräte die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Trägers noch besser erfüllen können. Es könnte sogar möglich sein, das individuell erreichbare Ergebnis bei der Verwendung von Hörgeräten abzuschätzen, sodass man den Personen, die mehr Unterstützung benötigen, diese auch zukommen lassen kann, um sicherstellen zu können, dass die Behandlung so erfolgreich wie möglich verläuft.

Informationen zum Konsensuspapier Lärm

Methodik

Dieses Publikation ist das Ergebnis einer kritischen Beurteilung der im Rahmen einer aktuellen Umfrage erhobenen Daten. Die Umfrage wurde von GfK Eurisko durchgeführt, von Amplifon gefördert und basiert auf den Angaben von 8.800 Personen aus 11 Ländern. Entsprechend des Studienkonzeptes wurden Informationen über den Zusammenhang zwischen Lärmexposition und deren Auswirkungen auf die Gesundheit gesammelt, die von einer Schädigung des Hörvermögens bis zur Beeinträchtigung des physischen und psychischen Wohlbefindens reichen können. Die Ergebnisse der Umfrage wurden im Rahmen einer Expertenkonferenz am runden Tisch diskutiert und um einen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ergänzt.

 

Arbeitsgruppe

Das vorliegende Konsensuspapier zum Thema Lärm und zu den möglichen Maßnahmen, die jeder Einzelne und die Gesellschaft zum Management und zur Minimierung der schädlichen Auswirkungen des Lärms ergreifen können, wurde von einer Arbeitsgruppe verfasst, die im Mai 2015 in Mailand getagt hat. Der Arbeitsgruppe gehörten die folgenden Personen an: Roberto Albera, Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Abteilung für chirurgische Wissenschaften, Universität Turin – Brian C. J. Moore, Professor für auditive Wahrnehmung, Abteilung für Psychologie, Universität Cambridge – Giampaolo Nuvolati, Professor für Stadtsoziologie, Abteilung für Soziologie und Sozialforschung, Universität Mailand-Bicocca – Carlo Ratti, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Senseable City Lab – Stephen A. Stansfeld, Professor für Psychiatrie, Queen Mary University, London. Nach dem Treffen der Arbeitsgruppe wurde das Konsensuspapier um einen weiteren Beitrag der folgenden Autoren ergänzt: Giancarlo Cianfrone, Abteilung für Sinnesorgange, La Sapienza Universität. Rom – Valeria Testugini, AIRS Onlus – Italienische Vereinigung für die Erforschung von Taubheit.

 
Hinweis:

Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres und es wurde aus Gründen der Lesbarkeit auf die Angabe der Quellen verzichtet. Für eine vollständige Version des Beitrags, samt aller Fußnoten, Grafiken und verwendeten Quellen, fordern Sie bitte die kostenlose PDF- oder Print-Version an. Nach dem Absenden des Formulars erhalten Sie eine E-Mail mit einem Download-Link.

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