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Gutartiger Lagerungsschwindel

Symptome, Diagnose und Therapie

Der gutartige Lagerungsschwindel, benigne paroxysmaler Lagerungsschwindel, wird auch als Drehschwindel oder Schwankschwindel bezeichnet. Benigne steht hierbei für gutartig und aproxysmaler für anfallsweise auftretender Schwindel.

Beim Lagerungsschwindel handelt sich um eine harmlose Erkrankung. Es wird dem Betroffenen plötzlich schwindelig, was für ihn sehr unangenehm und beängstigend sein kann. Selbst das Umdrehen im Bett kann ein Schwindelanfall auslösen. Der Schwindel ist durch verschiedene Therapien gut behandelbar. Am häufigsten leiden ältere Menschen unter dem Schwindel.

Lesen Sie alles über die Symptome, Dauer und die Therapien.

 

Symptome

Die Hauptsymptome sind, wie schon der Name sagt, ein Schwindelgefühl. Beim Aufstehen oder beim Umdrehen im Bett dreht dem Betroffenen der Kopf. Dieser Drehschwindel verweilt nur wenige Sekunden, spätestens nach einer Minute ist dieser wieder weg.

Weitere Symptome können sein:

  • Schnelles, unkontrolliertes Zittern der Augenlider (Nystagmus)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Gleichgewichtsprobleme, die zu Stürzen führen können

 

Häufigkeit der Erkrankung

Von einem gutartigen Lagerungsschwindel sind folgende Personengruppen betroffen:

  • 2 von 100 Menschen
  • Vorwiegend Frauen, Risiko wesentlich höher
  • Menschen mit fortgeschrittenem Alter, am häufigsten zwischen dem 50. bis 60. Lebensjahr
  • Bei 30-50% der Betroffenen tritt Schwindel innerhalb von 2 Jahren erneut auf

 

Ursachen

Ein gutartiger Lagerungsschwindel kann verschiedene Ursachen haben. Die typische Ursache des Schwindels tritt durch Ablösen der Ohrensteine (Otolithen) im Innenohr auf. Diese gelangen dann in die Bogengänge des Ohres. Nahe dem Innenohr befindet sich das Gleichgewichtsorgan, welches durch die Otolithen beeinflusst wird.

Dreht der Betroffene nun den Kopf in eine bestimmte Richtung, strömen die abgelösten Teilchen in den Bogengängen herum und bewirken einen Sog auf die Sinneszellen. Die Folge ist ein heftiger Schwindel.

Es gibt verschiedene Gründe, wodurch sich die Ohrensteine ablösen können. Dazu gehören folgende:

  • Verletzungen am Kopf
  • Entzündungen im Innenohr, wo das Gleichgewichtsorgan angeordnet ist
  • Leichte Schädel-Hirn-Traumen
  • Längere Bettlägerigkeit
  • Hohes Lebensalter


Diagnose

Zur Diagnose des Lagerungsschwindels erkundigt sich der Hals-Nasen-Ohren-Arzt zunächst bei dem Patienten nach den genauen Beschwerden, der Dauer und der Häufigkeit der Beschwerden. Folgend führt der Arzt einen Provokationstest durch. Bei der Vermutung eines gutartigen Schwindels wird durch eine sogenannte Dix-Hallpike-Lagerungsprobe der Schwindel festgestellt. Bei dieser Methode wird der Schwindel provoziert und hervorgerufen. Zusätzlich achtet der Arzt bei dem Betroffenen auf ein Augenzittern, welches in der Regel wenige Sekunden nach dem Provokationstest auftritt.
Gegebenenfalls sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die Schwindelursache herauszustellen. Wichtig ist, dass auch eine andere Schwindelform mit einer anderen Ursache vorliegen kann.

 

Therapie-Behandlung

Es gibt die Möglichkeit verschiedene Symptome mit Medikamenten zu lindern. Leidet der Betroffene unter Übelkeitsproblemen, ist es hier sinnvoll Medikamente einzusetzen oder diese homöopathisch zu behandeln. Auch der Schwindel generell lässt sich in der Anfangszeit mit Medikamenten unterdrücken. Negativ hierbei ist, dass dem Gehirn die Möglichkeit genommen wird, sich auf die neue Situation einzustellen. Die Schwindelsymptomatik wird verschoben und dauert umso länger.
Bei sehr starken Symptom-Beschwerden hilft nur ein operativer Eingriff am Innenohr.
Der gutartige Lagerungsschwindel ist leicht behandelbar. In vielen Fällen tritt dieser jedoch innerhalb von 2 Jahren wieder auf.

Es gibt zwei bekannte Therapien bzw. Manöver, die den Schwindelanfällen entgegenwirken sollen. Bei den Therapien ist es das Ziel, die abgelösten Ohrensteine mithilfe der Schwerkraft aus dem Gleichgewichtsorgan heraus in die nicht empfindlichen Teile des Ohres zu befördern. Dafür gibt es spezielle Übungen, welche die Symptome in kurzer Zeit abklingen lassen sollten.

Bei den Manövern wird der Drehschwindel hervorgerufen, deshalb sollten Sie das Training anfangs nicht alleine durchführen. Lassen sie sich die genauen Bewegungen von einem Physiotherapeuten oder Arzt zeigen. Wichtig ist, dass die Übungen den Gang zum Arzt nicht ersetzen und rein aufklärend sind. 

Epley-Manöver:

Das Epley-Manöver besteht aus fünf verschiedenen Schritten. Zu beachten bei dem Lagerungstraining ist, dass alle Bewegungen des Kopfes zügig ausgeführt werden. Begonnen wird in der aufrechten Sitzposition. Der Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen auf der Liege, wenn er sich hinlegt, sollte der Kopf über die Liege herausragen. Als Erstes wird der Kopf 45 Grad in die betroffene Richtung geneigt. Folgend legt der Patient sich rasch auf den Rücken. In dem Fall sollte nun der Kopf über die Liege hinaus, schräg nach unten, hängen. In dieser Position sollte Schwindel auftreten. Der Patient verweilt mindestens eine Minute in dieser Position bis der Schwindel ganz ausgeklungen ist. Anschließend dreht der Patient den Kopf 90 Grad auf die gesunde Ohrenseite und bleibt nun mindestens 60 weitere Sekunden in dieser Position bis der Schwindel aufhört. Dann folgt der restliche Körper. Der Kopf wird bei dieser Bewegung nicht verändert, der Körper dreht sich lediglich auf die Seite des gesunden Ohres. Der Betroffene wartet wieder die mindestens 60 Sekunden ab. Als letztes richtet sich der Patient aus der Seitenlage auf, sodass er an der Seite der Liege sitzt und die Beine frei baumeln können. Um dem Symptom der Übelkeit bei dem Manöver entgegenzuwirken hilft es während des Lagerungstrainings die Augen geschlossen zu halten.

Bei vielen Betroffenen führt die Anwendung des Manövers zum Verschwinden der Symptome. Die fünf Bewegungen können mehrmals am Tag wiederholt werden.

Sémont-Manöver:

Eine zweite mögliche Bewegungstherapie ist das Sémont-Manöver. Hierbei setzt der Patient sich aufregt auf die Liege, dem Arzt zugewandt, sodass seine Beine herunter von der Sitzfläche baumeln. Der Kopf wird 45 Grad zur gesunden Seite gedreht, das betroffene Ohr zeigt in Richtung des behandelnden Arztes. Jetzt wird der Patient ohne Änderung der Kopfhaltung abrupt auf die betroffene Seite gelegt, sodass der Betroffene an die Decke schaut. Der Patient bleibt solange in dieser Position bis der Schwindel aufhört. Das sind in etwa 2 bis 3 Minuten. Anschließend folgt eine abrupte Verlagerung des Patienten auf die andere, gesunde Seite. Die Kopfposition wird dabei nicht verändert, der Betroffene schaut in Richtung der Liege. Nach 2 bis 3 Minuten warten richtet der Patient sich langsam wieder auf und sitzt dann weitere 3 Minuten in der Ausgangsposition.
Auch diese Therapie-Übung kann mehrmals am Tag wiederholt werden.

Zeigen die Therapien bei dem Schwindelbetroffenen Wirkung, dann können die Übungen eingestellt werden. Gewöhnlich reichen 5 bis 10 Tage an denen die Übungen durchgeführt werden, um den Schwindel zu vermeiden.

 

Homöopathie

Zur Linderung von Schwindel allgemein gibt es mehrere Möglichkeiten, die in der Homöopathie angewendet werden. Oft ist der Schwindel nicht nur auf eine Ursache oder einen Ort der Erkrankung zurückzuführen, sodass in der Homöopathie eine individuelle Schwindelanamnese durchgeführt wird. Anamnese ist eine professionelle Erfragung des Arztes von medizinischen Informationen. Folgend kann der Arzt durch die geschilderten Symptome ein spezifisches Arzneimittel auswählen.

Handelt es sich um einen Drehschwindel bei Kopfpositionsveränderung, wären Mittel wie Tollkirsche (Belladonna) und gefleckter Schierling (Conium maculatum) sinnvoll. Beide Arzneimittel gibt es in Form von Streukügelchen (Globuli) oder Tropfen.


Dauer und Komplikationen

Der Lagerungsschwindel ist keine gefährliche Erkrankung. Meistens verschwinden die Symptome von alleine, innerhalb von mehreren Wochen bis Monaten, wieder. Häufig kehrt der Drehschwindel, selbst nach gelungener Therapie, immer wieder auf, sogar nach mehreren Jahren. Es ist besonders wichtig, dann den Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls eine Therapie durchzuführen. Wenn den Beschwerden rechtzeitig und zweckvoll entgegengewirkt wird, verschwinden diese schnell wieder. In nur seltenen Fällen kann die Erkrankung zu dauerhaften Komplikationen führen. Die oben genannten Methoden zur Linderung, kann der Betroffene selbständig zuhause durchführen, um dem Schwindel entgegenzuwirken. Das Aufsuchen eines Hals-Nasen-Ohren Arztes ist jedoch unerlässlich.

Die Begleiterscheinungen können sehr störend sein. Der Betroffene muss lernen im Alltag damit umzugehen. Folgende Komplikationen können auftreten:

  • Schwindel kann die Psyche belasten, beispielweise durch Aufwachen aus dem Schlaf wegen Schwindel
  • Vermeidung bestimmter Bewegungen, wie ein schnelles Kopfdrehen
  • Erhöhte Gefahr von Stürzen, durch auftretende Gleichgewichtsstörungen
  • Allgemeines Verhalten und Befinden kann durch langanhaltenden Schwindel negativ beeinflusst werden