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2. Weitere Informationen über das Hören

1. Die Auswirkungen der Alterssschwerhörigkeit auf Senioren
2. Weitere Informationen über das Hören
3. Altersschwerhörigkeit: von der Diagnose zur Rehabilitation
4. Symptome, Ursachen und Prävention 

 

Einführung

Das Gehörsystem ist die Struktur, welche das physikalische Phänomen der Umwandlung von Schallimpulsen in einen wahrgenommenen Ton über die Sinne im menschlichen Körper "zur Aufgabe hat", und ist deshalb ein komplexes System, von dem das Ohr nur einen peripheren Teil ausmacht.

Das Ohr nimmt das Geräusch aus der Umgebung auf, sendet, verändert, passt es an und wandelt es von einem mechanischen in einen elektrischen Impuls um, der über die aufsteigenden Hörnerven weitergeleitet wird.

Der bioelektrische Impuls folgt einem komplexen neurologischen Weg bis zu den Kortexbereichen, wo er in eine Empfindung umgewandelt wird.

 

Grundprinzipien der akustischen Physik

Der primäre Reiz für das Gehörsystem ist der Schall, eine besondere Form mechanischer Energie, die durch einen vibrierenden, elastischen Körper erzeugt wird.

Zu den Merkmalen des Schalls gehören:
Frequenz (F) – Anzahl von Doppelschwingungen pro Sekunde, gemessen in Hertz (Hz). Je größer die Zahl ist, desto höher ist der Ton. Das menschliche Ohr kann einen Frequenzbereich zwischen 20 und 16.000 Hz wahrnehmen.

Intensität (I) – der Schalldruck pro Einheitsbereich, gemessen in Dezibel (dB).

Tonlage – stellt die Oberschwingungen dar, die in einem Ton wahrgenommen werden. Dadurch kann der Ton von einem anderen Ton mit gleicher Intensität und Frequenz, der von einem anderen Instrument hervorgebracht wird, unterschieden werden.

Dauer – ein Aspekt, mit dem wichtige physiopathologische Tests verbunden sind.

 

Anatomie und Physiologie des Ohres

Das Ohr wird für gewöhnlich in drei Teile unterteilt: Äußeres Ohr (AO), Mittelohr (MO) und Innenohr (IO).

ÄUSSERES OHR – besteht aus der Pinna oder Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang. Es hat folgende Funktionen:

  •  Schutz des Mittelohrs;
  • Sammeln der Schallwellen und Bestimmung, aus welcher Richtung sie kommen;
  • Auswahl der Frequenz, wobei den Schallwellen Vorrang eingeräumt wird, die für das Verständnis von Sprache am hilfreichsten sind (Bereich zwischen 500 und 3.000 Hz).

MITTELOHR – besteht von außen nach innen aus dem Trommelfell (TF), den Gehörknöchelchen (Hammer, Amboß und Steigbügel), die Ohrtrompete (oder Eustachische Röhre), den innen liegenden Muskeln und der Mastoidalhöhle. Das Mittelohr hat eine Reihe von wichtigen Funktionen: Da es wie eine Scheidewand zwischen der Luft und den Flüssigkeiten im Innenohr liegt, stellt das Mittelohr einen Großteil der Schallinformationen wieder her, von denen anderenfalls 99 % während des Übergangs von Luft in Flüssigkeit verloren gehen würden.

INNENOHR – besteht aus dem Knochenlabyrinth mit dem häutigen Labyrinth (eine Reihe von mit Wasser gefüllten häutigen Membranen). Die Struktur im mittleren Vorderbereich, die Cochlea oder Ohrschnecke, dient dem Hören. Sie kommuniziert mit dem Trommelfell über zwei Fenster (das ovale und das runde Fenster). Die Fenster (das Steigbügelende der Gehörknöchelchen befindet sich im ovalen Fenster, das runde Fenster hat dagegen eine bewegliche Membran) ermöglichen die Bewegung der Flüssigkeiten im Labyrinth unter dem Druck der Bewegungen des Steigbügels. Die Strukturen für die Regulierung des Gleichgewichts (Utriculus, Sacculus und halbkreisförmige Kanäle) befinden sich im hinteren oberen Teil des Labyrinths.

 

Cochlea oder Ohrschnecke

Diese besteht aus drei spiralförmigen häutigen Kanälen und führt 2,5 Umdrehungen um eine mittlere Knochenformation, den Modiolus. Der Kanal im oberen oder vestibulären Teil und der Kanal im unteren oder Tympanumteil treffen an der Spitze der Spirale (Helicotrema) aufeinander, wo sich ihre Flüssigkeiten mischen (Perilymphe). Der Schneckengang, der eine zweite Flüssigkeit, die Endolymphe, enthält, liegt zwischen der Vorhoftreppe und dem Paukentreppe, wie einige der kompliziertesten Strukturen des Ohres. Im Corti- Organ, der eigentlichen Stromerzeugungsmaschine des Gehörsystems, wird der Schall aufgenommen.

Die von den oberen Haarzellen des Corti-Organs erzeugte bioelektrische Energie (elektromechanische Wandlung) erreicht durch chemische Übertragung die Ganglienzellen über die unteren Haarzellen. Hier wird das Signal erneut moduliert und an die erste neuronale Verarbeitungsstelle gesendet, den so genannten dorsalen cochlearen Nukleus und den ventralen cochlearen Nukleus.

Im Wesentlichen fungiert die Schnecke wie eine Batterie, was voraussetzt, dass ein bestimmtes Niveau des elektrochemischen Gradienten aufrecht erhalten werden muss. Das erklärt die hohe Konzentration von +K (Kalium) in der Endolymphe und von -Na (Natrium) in der Perilymphe.

 

Die Gleichgewichtsorgane

Dazu gehören die beiden Vesikel, der Utriculus und der Sacculus, sowie die drei halbkreisförmigen Kanäle, die im Felsenbein darüber liegen. Der Utriculus und der Sacculus enthalten auf Ebene des Schneckenganges Endolymphe und ein neurosensorisches Epithel, die als Stützzellen fungieren und aus Haarzellen bestehen. Diese sind in senkrechten Strukturen angeordnet, die als Macula bezeichnet werden. Hier beginnen die sacculären und vestibulären Fasern des unteren Vestibularnervs.

Auf jeder Seite sitzen drei halbkreisförmige Kanäle: der seitliche, der obere und der untere, die an ihrer Basis einen Bereich, die sogenannte Ampulla, haben.

 

Zentrale afferente Gehörgänge

Die Schallinformation, die nun durch die Schnecke und/oder Nerven elektrisch kodiert ist, erreicht den zerebralen Kortex über eine Reihe von Zwischenstationen, die aus Nuklei, Zellgruppen und Faserbändern bestehen.

Der aufsteigende Gehörgang erleichtert auf mehreren Ebenen die Konvergenz/Divergenz der afferenten Impulse und reichert sie mit weiteren Informationen von anderen Sinnesorganen an (Auge, Geruchssinn usw.).

Seine Verbindung zu den motorischen Nuklei der kranialen und spinalen Nerven ermöglicht die Erzeugung sehr rascher Hörreflexe.

 

Primärer Gehörkortex

Diese ist als Bereich 1 (Brodmann-Bereich 41) bekannt und liegt im oberen Teil der querlaufenden Stirnlappenwindungen (Heschl-Windungen). Dieser Bereich wird 8,5-10 ms nach Auslösung eines Klicks aktiviert.

 

Audiometrie

Die Gruppe von zur Messung des Hörens verwendeten Techniken.

 

Subjektive Audiometrie

Dieser Begriff bezieht sich auf alle Techniken, die zur Messung des Hörens durch aktive Einbeziehung des Patienten verwendet werden. Es bestehen Unterschiede hinsichtlich der Art des eingesetzten Reizes und des Zwecks der Untersuchung.
Reine Ton-Audiometrie – reine Tonreize werden auf verschiedenen Frequenzen und mit ansteigender Intensität eingesetzt, bis die niedrigste wahrgenommene Frequenz bzw. Schwelle festgestellt ist. Die Schwelle kann bestimmt werden, indem man die Reize über Kopfhörer oder mittels eines Vibrators, der auf den Processus Mastoideus aufgelegt wird, sendet.

 

Objektive Audiometrie

Die Hörfähigkeit eines Individuums wird ohne aktive Beteiligung des Patienten festgestellt. Die bekannteste Form ist die "Audiometrie mit evozierter Reaktion". Hierbei handelt es sich um eine Reihe elektrischer Reaktionen, die erzeugt werden, wenn der Reiz den Gehörgang hinabgeleitet wird.

 

Sprachaudiometrie

Die Grenze der reinen Tonaudiometrie, die eine flexible und unersetzliche Untersuchungsmethode ist, besteht aus einem Tonreiz, der kein natürliches Element der menschlichen Sprache ist.

Umgekehrt ist die Verwendung des Wortes ideal für die Tests, da dessen Verständnis weit komplexere analytische Voraussetzungen erfordert, die nicht nur auf Tönen basieren, sondern auch auf intellektueller Fähigkeit, Kultur, Fähigkeit zur Interaktion und zur Integration.
Das Sprachaudiogramm zeichnet Folgendes auf:

  • entlang der X-Achse die Intensität des Tons;
  • entlang der Y-Achse den Prozentsatz der Wörter, die korrekt verstanden und wiederholt wurden.

Die Sprachaudiometrie weist daher eine Eigenschaft auf, die sie weitaus effizienter macht: sie setzt verbale Nachrichten in den Kontext menschlicher Interaktion. Außerdem ist je nach dem verwendeten phonetischen Material und Schwierigkeitsgrad eine qualitative und quantitative Beurteilung darüber möglich, in welchem Maße die Kommunikation eingeschränkt ist. Die Untersuchung kann unter Verwendung von Kopfhörern oder über einen Vibrator erfolgen, der auf den Processus Mastoideus gelegt wird. Elegante und verfeinerte, sensibilisierte Stimmbeurteilungen oder Beurteilungen mit Hintergrundgeräuschen haben sich vermutlich als effizienter als jede andere Methode zur Bestimmung von primären Hörstörungen erwiesen.

 

Tympanometrie

Die Tympanometrie ist keine audiometriche Methode, sondern eher eine audiometrische Untersuchungsvorrichtung, welche zur Bewertung von Phänomenen, die mit dem Hören in Verbindung stehen, eingesetzt wird. Sie kann nur in bestimmten Situationen als audiometrische Vorrichtung eingesetzt werden, etwa zum Konstruieren einer audiometrischen Kurve, die mit dem Steigbügelreflex beginnt.

Die von Liden entwickelte Aufgliederung der tympanometrischen Kurve in fünf morphologische Kategorien, die mit bestimmten Pathologien des Mittelohres (wie z.B. Mittelohrentzündung) verbunden sind, hat sich in der klinischen Praxis als sehr nützlich erwiesen.

 

Arten von Schwerhörigkeit

Der Begriff Schwerhörigkeit bezieht sich auf Hörverlust, auch wenn er oft fälschlicherweise als Ersatz für den Begriff Taubheit verwendet wird. In Wirklichkeit wird der totale Hörverlust auf einem Ohr als Anakusis bezeichnet, während der totale Hörverlust auf beiden Ohren als Kophosis oder Taubheit bezeichnet wird.
Die Schwerhörigkeit oder Hypakusis kann auf Basis der Tonaudiometrie folgendermaßen unterteilt werden:

  • Übertragend           Knochenstrukturen gut, Schäden an den Luftübertragungswegen Ort der Läsion AO - MO 
  • Neurosensorisch    Knochenstrukturen und Luftübertragungswege geschädigt Ort der Läsion Schnecke – VIII. Nerv
  • Zentral                   Knochenstrukturen und Luftübertragungswege normal, oder beide in unterschiedlichem Maße geschädigt. Ort        der Läsion – das Gehirn

Die Schädigungen von Dekodierungsmechanismen, zeitlicher Analyse und beidohriger Integration werden leichter durch mündliche Tests gefunden.

 

Tinnitus

Dieser Name, der sich von der griechischen Übersetzung für "ich glaube gehört zu haben" ableitet, bezieht sich auf eine Hörempfindung, die keinem Umweltreiz entspricht. Tinnitus ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, auch wenn er das einzige Symptom einer Erkrankung ist, die verschiedene, nicht nur mit dem Hören verbundene Funktionen betrifft. Da das Hörorgan auf die Störung hinweist, die dem Tinnitus zugrundeliegt, wird die Diagnose jedoch normalerweise von Ohrenfachärzten gestellt.

Das pathogenetische Ätiologieprofil muss zwar noch definiert werden, aber Tinnitus lässt sich wie folgt einteilen:

  • subjektiv, nur vom Patienten wahrgenommen
  • objektiv, auch von einem Zuhörer ohne Instrumente oder verstärkende Geräte wahrgenommen.

 

Presbyakusis (Altersschwerhörigkeit)

Dieser Begriff bezieht sich auf den Gehörverlust aufgrund der Alterung des Hörorgans, also der gleiche Vorgang wie bei Sehvermögen, Geruchssinn usw.

Es ist zwar bekannt, dass Männer früher an Altersschwerhörigkeit leiden als Frauen, aber die Annahme, dass die Störung (oder zumindest die ersten Symptome) nicht vor dem fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt auftreten, ist zutreffend. In vielen Fällen ist es jedoch schwierig festzustellen, ob der ältere Patient an Altersschwerhörigkeit oder an einer fortschreitenden oder konvergenten neurosensorischen Erkrankung des Gehörs leidet.

 

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Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres.
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