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3. Hörverlust, Kognition und Hörsysteme

1. Soziales Szenario und Epidemiologie
2. Die Korrelation zwischen Hörverlust und kognitivem Abbau
3. Hörverlust, Kognition und Hörsysteme
4. Lokalisation der Hörstörung im Alter
5. Schlussfolgerung

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Studien stark zugenommen, die zeigen, dass die Fähigkeit, Sprache in schwierigen Situationen zu verstehen, von der kognitiven Leistung beeinflusst wird. Dabei handelt es sich sowohl um „Bottom-up-Vorgänge“ (der Prozess vom Ohr zum Gehirn) als auch um „Top-down-Situationen“ (komplexere Konzepte, die bei der Auswertung der Daten helfen). Daher ist es nicht länger angebracht, die Rolle der Kognition bei der Hörforschung zu ignorieren.

Die Relevanz der kognitiven Prozesse hängt von den Anforderungen des Zuhörens ab. Wenn die Bedingungen des Zuhörens aufgrund von Geräuschen oder Hörminderungen schwierig sind, sind mehr kognitive Prozesse erforderlich, um Sprache zu verstehen. Es gibt mindestens fünf kognitive Funktionen, die signifikant mit Sprachkommunikation in Verbindung stehen.
Diese sind:
a) die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung;
b) die Fähigkeit, einen linguistischen Kontext zu verwenden;
c) Aufmerksamkeit;
d) das Arbeitsgedächtnis (die Fähigkeit, gleichzeitig Informationen zu speichern und diese im Gedächtnis zu verarbeiten);
e) linguistische Maskierung (oder die Fähigkeit, teilweise verdeckten Text zu lesen).

Alle diese kognitiven Funktionen, mit Ausnahme der Fähigkeit, linguistischen Kontext zu verwenden, nehmen mit dem Alter ab.

Es gibt eine Reihe von Studien, die gezeigt haben, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses 20 % bis 30 % der Varianz bei Menschen ausmacht, Sprache zu verstehen. Auch die Fähigkeit, teils verdeckten Text zu lesen, macht ungefähr 30 % der Variabilität aus, mit der Sprache von erwachsenen Zuhörern verstanden werden kann.

Mit zunehmendem Alter des Gehirns verlangsamen sich die kognitiven Leistungen. Das heißt, dass ältere Menschen ein deutlich besseres Signal-Rausch-Verhältnis als jüngere Menschen benötigen, wenn Sie Sprache in einer schwierigen Umgebung (z. B. mit Hintergrundgeräuschen) hören. Dies ist besonders dann der Fall, wenn Sprache sehr schnell gesprochen wird.

Auch wenn sie oft als „kognitive Störung“ bezeichnet wird, darf die Demenz nicht mit einem Abbau einer der einzelnen Aspekte der oben beschriebenen kognitiven Leistungen verwechselt werden. Demenz ist sehr viel komplexer, ein nicht-spezifisches Syndrom, bei dem viele Bereiche der kognitiven Funktionen gleichzeitig betroffen sind, wie zum Beispiel das Gedächtnis, die Konzentration und die Sprache. Demenz zeichnet sich durch eine Abnahme der kognitiven Funktionen aus, die schneller voranschreitet, als man beim normalen Altern erwarten würde. In ihrer aktuellen Studie zeigen Lin et al. (2013) einen signifikanten Zusammenhang zwischen Hörverlust und beschleunigtem kognitivem Abbau und kognitiver Demenz.

Es ist bekannt, dass
a) die kognitiven Fähigkeiten eine wichtige Rolle beim täglichen Zuhören spielen;
b) die kognitiven Fähigkeiten mit dem Alter abnehmen;
c) Demenzerkrankungen in unseren Gesellschaften rasant zunehmen.

Nun stellt sich die Frage, ob die Auswirkungen des Hörverlusts auf den Abbau der kognitiven Fähigkeiten frühzeitig durch Hörverstärkungen aufgehalten werden können, zum Beispiel dann, wenn die ersten Anzeichen von Kommunikationsproblemen aufgrund einer Hörminderung auftreten.

Bisher durchgeführte Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Verstärkung und Kognition befassten, haben entweder den kurzfristigen Effekt der Verstärkung auf die Kognition oder die langfristigen Effekte ( > 3 Monate Tragen eines Hörsystems) untersucht.

Bei der Untersuchung der kurzfristigen Auswirkungen der Verstärkung zeigten Gatehouse und Kollegen, dass Zuhörende mit einer höheren kognitiven Leistung einen größeren Nutzen aus der schnell wirkenden Kompression und Zuhörende mit einer geringeren kognitiven Leistung den höchsten Nutzen aus einer langsam wirkenden Lautstärkeregelung ziehen. Cox und Xu führten dieses Thema weiter aus und fanden heraus, dass die Beziehung zwischen der Vorliebe eines Menschen für eine schnell oder langsam wirkende Kompression nicht nur von seinen kognitiven Fähigkeiten, sondern auch von den Eigenschaften (d. h. dem linguistischen Kontext) der Sprache, der sie zuhörten, abhängt. Diese Studien zeigen, dass die Muster zur Bestimmung der Eignung von Patienten, die für Hörsysteme in Frage kommen, über ihre Hörfunktion hinausgehen und bis in das Gebiet der kognitiven Fähigkeiten sowie in die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Menschen, wie sie die akustischen Bedingungen, die sie tagtäglich erleben, hineinreichen.

Zwei Studien ergaben, dass die bei Hörgeräten eingesetzte digitale Geräuschreduzierung eine Auswirkung auf das Abrufen von gesprochenen Informationen hatte (d. h. an wie viele Informationen man sich erinnern kann).

Einfluss der digitalen Geräuschreduzierung beim Abrufen von Wörtern (Ng et al., 2013, Sarampalis et al., 2009)

Bei der Bewertung der langfristigen Auswirkungen der Verstärkung gibt es sieben Studien neben Lin et al. (2013), die sich mit dem langfristigen Effekt von Hörsystemen (> 3 Monate) auf die kognitiven Fähigkeiten beschäftigt haben. Diese sieben Studien verwendeten entwederPatientenfragebögen oder bewerteten die kognitiven Fähigkeiten direkt, um die langfristige Verwendung von Hörgeräten zu beurteilen.

Eine von Mulrow durchgeführte Studie (Grafik 8 links) zeigt, dass die Hörverstärkung zu einer deutlichen

Verbesserung der geistigen Fähigkeiten führte, im Vergleich zu Patienten, die keine Hörverstärkung erhielten. Während Lehrl und Kollegen (Grafik 8 rechts) eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses mit Hörverstärkung zeigten, wiesen in diesem Zusammenhang Acar und Kollegen (Grafik 9 links) eine Verbesserung des allgemeinen mentalen Status nach. Choi et al. (Grafik 9 rechts) zeigten eine Verbesserung der Lernfähigkeit.

Wie zuvor beschrieben, untersuchten Lin und Kollegen die Auswirkung der Hörverstärkung auf den beschleunigten kognitiven Abbau. Auch wenn das Tragen von Hörgeräten mit einem leicht verminderten Rückgang der kognitiven Fähigkeiten und einem verminderten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen bei Menschen mit Hörverlust in Verbindung stand, waren diese Ergebnisse nicht signifikant. In anderen Worten, es fehlen ausreichende Nachweise, die den positiven langfristigen Effekt der Hörverstärkung auf die kognitiven Fähigkeiten stützen. Auch wenn Hörgeräte eine positive Auswirkung auf die allgemeine Lebensqualität haben können, ist die Rolle der Hörverstärkung auf die Kognition weniger eindeutig und muss weiter untersucht werden.

 

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