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Hörsturz – Symptome, Therapie & Vorbeugung

Auf einmal war es da, dieses dumpfe Gefühl im Ohr, als ob man Watte im Ohr hätte. So beschreiben Betroffene häufig das Gefühl, einen Hörsturz zu erleiden. Typisch an einem Hörsturz, auch Ohrinfarkt genannt, ist sein plötzliches Auftreten. Von dem einen auf den anderen Moment kann der Betroffene auf einem, seltener auch auf beiden Ohren schlechter hören. Das ist eine sehr beängstigende Situation und der Bedarf nach Informationen groß: Was ist ein Hörsturz, was hilft und wie lange hält dieser an? Hier finden Sie wichtige Fragen und Antworten rund um einen Hörsturz.

Der Hörsturz ist eine häufig auftretende, plötzliche Funktionsstörung des Innenohrs, die meist auf einem Ohr auftritt – quasi ein "Systemabsturz" des Gehörs. Schätzungen zufolge erleiden in Deutschland jährlich zwischen 160 und 400 Menschen pro 100.000 Bürger einen plötzlichen Hörverlust mit individuell unterschiedlichem Schweregrad. Besonders häufig sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Die Ursachen und der Einfluss äußerer Umstände werden indes von Experten kontrovers diskutiert.

  1. Was ist ein Hörsturz?
  2. Was passiert bei einem Hörsturz?
  3. Woran erkennt man einen Hörsturz?
  4. Wie lange dauert ein Hörsturz? Kann ein Hörsturz heilen?
  5. Wie wird ein Hörsturz beim HNO-Arzt festgestellt?
  6. Welche Ursachen hat ein Hörsturz?
  7. Wie oft kommt ein Hörsturz vor und wer ist besonders betroffen?
  8. Wie wird ein Hörsturz behandelt?
  9. Wie kann ich einen Hörsturz vorbeugen?
  10. Dauerhafter Hörverlust nach einem Hörsturz?


1. Was ist ein Hörsturz?

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Hörverlust, der meist nur ein Ohr betrifft. In der Fachsprache wird der Hörsturz auch als akuter idiopathischer sensorineuraler Hörverlust bezeichnet. Idiopathisch steht für "ohne erkennbare Ursache", denn in den meisten Fällen kann die Ursache des Hörverlustes nicht genau bestimmt werden.

Experten differenzieren zwischen einer Hörminderung, die auf eindeutige äußere Ursachen wie eine Virusinfektion oder plötzlichen Lärm wie eine Explosion zurückzuführen ist (somit also oft fälschlicherweise als Hörsturz bezeichnet wird), und dem eigentlichen Hörsturz im medizinischen Sinne (s.u. "Schallempfindungsschwerhörigkeit").

 

2. Was passiert bei einem Hörsturz?

Bei einem Hörsturz können Sinneseindrücke von Geräuschen, nachdem sie auf die Ohrmuschel getroffen sind und über das Mittelohr weitergeleitet wurden, im Innenohr nicht mehr korrekt weiterverarbeitet und an das Gehirn übermittelt werden. So erklärt sich auch der Begriff "Ohrinfarkt", der oft als Synonym verwendet wird. Mediziner sprechen hier von einer "Schallempfindungsschwerhörigkeit" beziehungsweise "sensorischer Schwerhörigkeit". Diese kann unterschiedlich stark und mal in wenigen, mal in mehreren Frequenzbereichen auftreten – hier reichen die Diagnosen von leichten Hörstörungen bis hin zur Taubheit.

 

3. Woran erkennt man einen Hörsturz?

Typischerweise erkennt man einen Hörsturz an einem sehr plötzlich auftretenden starken Nachlassen des Hörvermögens. Schlagartig hört man in einem oder seltener beiden Ohren deutlich weniger. Der Schweregrad dieser Schallempfindungsschwerhörigkeit ist unterschiedlich und kann von einem leichten Abfall des Hörvermögens bis hin zur Ertaubung reichen. Hinsichtlich der betroffenen Frequenzbereiche tritt der Hörsturz in unterschiedlichen Formen auf. Es können beispielsweise besonders die hohen oder tiefen Töne vom Hörsturz betroffen sein, aber auch ein über alle Frequenzen gleich starker Abfall ist möglich und äußert sich bei jeder Person anders.

Der Hörsturz verursacht niemals Ohrenschmerzen. Betroffene geben jedoch teilweise an ein leichtes Druckgefühl im Ohr zu verspüren. Beschrieben wird das Gefühl wie Watte oder Ohrstöpsel im Gehörgang (Nr. 2 auf der Infografik unten) zu haben. Außerdem berichten Patienten davon, dass sich die Ohrmuschel (Nr. 1 auf der Infografik) pelzig anfühlt, als wäre sie in Watte gepackt. Dies beschreibt eine Sensibilitätsstörung, welche auch auf einen Hörsturz hindeuten kann.

Aufbau des Gehörs

  1. Ohrmuschel
  2. Gehörgang
  3. Trommelfell
  4. Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel)
  5. Mittelohr
  6. Eustachische Röhre
  7. Hörschnecke (Cochlea)
  8. Haarsinneszellen
  9. Hörnerv


In Verbindung mit einem Hörsturz können auch Schwindel und/oder Ohrgeräusche, also ein Tinnitus, auftreten. Die Ohrgeräusche in Form von Pfeifen, Klingeln oder Rauschen sind dabei nur vom Betroffenen selbst wahrnehmbar und können von anderen Personen nicht gehört werden.

Als weiteres Symptom ist eine sogenannte Fehlhörigkeit (Dysakusis) bekannt. Das heißt Töne werden vom Patienten verzerrt wahrgenommen.

 

Habe ich einen Hörsturz?

Häufige Beschwerden bei einem Hörsturz in der Reihenfolge
ihrer Häufigkeit sind:

  • plötzlicher Hörverlust
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Druckgefühl im Ohr
  • Schwindel
  • veränderte Wahrnehmung von Tönen (Hyper-/Diplo-/Dysakusis)
  • Pelziges Gefühl um die Ohrmuschel (periaurale Dysästhesie)


4. Wie lange dauert ein Hörsturz? Kann ein Hörsturz heilen?

Die Prognose bei Hörsturz ist allgemein gut, besonders wenn der HNO-Arzt nur einen leichten Hörverlust feststellen konnte. Die Spontanheilungsrate liegt generell bei etwa 50 %. Das heißt bei ca. der Hälfte der Betroffenen bessert sich ein Hörsturz von selbst, oft auch schon innerhalb von 24 Stunden. Andere erfahren eine Besserung während einer Therapie, beispielweise durch hochdosierte Glukokortikoide. Dennoch können auch dauerhafte Symptome bestehen bleiben, denn der Verlauf einer Hörsturz-Erkrankung ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich.


5. Wie wird ein Hörsturz beim HNO-Arzt festgestellt?

Ein Hörsturz ist aus medizinischer Sicht zwar kein Notfall, jedoch sollten Betroffene sich schnellstmöglich an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) wenden, wenn plötzlich Beschwerden auftreten, z. B.

  • Schwierigkeiten beim Hören
  • Dumpfes Gefühl im oder um das Ohr
  • Ohrgeräusche

Der HNO-Arzt setzt eine Reihe von Untersuchungsmethoden ein, um einen Hörsturz zu diagnostizieren. Dabei wird nach dem Verfahren des Ausschlussprinzips gearbeitet. Bei diesem Verfahren werden mögliche Ohrerkrankungen ausgeschlossen, bevor ein Hörsturz festgestellt wird. Zunächst führt der HNO-Arzt eine eingehende Anamnese durch, dabei werden dem Patient neben Fragen zu seinem allgemeinen Gesundheitszustand auch spezifische Fragen zu den akuten Hörproblemen gestellt, z. B.: Wann sind die Symptome aufgetreten? Wie äußern sich diese? Daraufhin kann der HNO-Arzt weiterführende Untersuchungen anstellen, die Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Ohren geben.

Die Ohrspiegelung (Otoskopie) oder Ohrmikroskopie gewährt dem HNO-Arzt Einblick in die Gesundheit des Gehörgangs und Trommelfells (Mittelohr). Möglicherweise ist lediglich ein durch Ohrenschmalz verstopfter äußerer Gehörgang ursächlich für die Hörprobleme. Auch der Zustand des Trommelfells lässt sich mit dieser Untersuchungsmethode feststellen und mit der Tympanometrie bestätigen, z. B. kann so ein verletztes Trommelfell diagnostiziert werden.

Anhand verschiedener Hörtests wird das Ausmaß des Gehörverlusts festgestellt. Ohrenärzte bedienen sich dabei der Tonaudiometrie, Sprachaudiometrie und der Stimmgabelprüfung.

Diese Untersuchungen können bei Verdacht auf einen Hörsturz beim HNO-Arzt durchgeführt werden:

  • Eingehende allgemeine und Fachanamnese
  • Otoskopie oder Ohrmikroskopie
  • Hörprüfung (Ton- und Sprachaudiogramm, Stimmgabel)
  • Tympanometrie

Des Weiteren wird bei einem Hinweis auf einen Hörsturz der Blutdruck des Patienten gemessen um festzustellen, ob möglicherweise ein zu niedriger Blutdruck oder ein Bluthochdruck mit dem Hörsturz in Verbindung gebracht werden kann.

Für einen gezielten Befund können weitere medizinische Untersuchungen zum Einsatz kommen, welche beispielsweise Aufschluss über den Zustand des Hörnervs (neurale Schwerhörigkeit) geben können:

  • Tonaudiometrie nach Fowler (Recruitmentmessung)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)
  • Messung otoakustischer Emissionen (OAE)

Auch das Gleichgewichtsorgan wird bei einem Hörsturz anhand verschiedener Methoden unter die Lupe genommen (Vestibularisprüfung).


6. Welche Ursachen hat ein Hörsturz?

Die Ursachen eines Hörsturzes werden – ebenso wie die verschiedenen Behandlungsmethoden - in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Die häufigste Vermutung ist, dass im Innenohr auftretende Durchblutungsstörungen wie z. B. kleine Blutgerinnsel den Hörsturz verursachen. Dadurch werden die sogenannten Haarzellen (Nr. 8 auf der Infografik oben), die in der Hörschnecke (Nr. 7) verantwortlich für die Umwandlung von Schall in elektrische Impulse und somit verantwortlich für das eigentliche Hören sind, nicht ausreichend versorgt - unter Umständen fallen sie sogar aus. Ebenso können Stressfaktoren wie Lärm und ein hoher Blutfettwert - insbesondere das sich an den Gefäßwänden ablagernde Cholesterin - Durchblutungsstörungen im Innenohr verursachen.

Als weitere Ursachen werden vermutet:

  • Virusinfektionen
  • chronische Entzündungen des Ohr- und Kopfraums
  • Störungen/Erkrankungen des Autoimmunsystems
  • Verschiedene Verletzungen des Ohres
  • Tumore wie ein Akustikusneurinom
  • Fehlstellungen im Bereich der Halswirbelsäule
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Psychosomatische Leiden

 

7. Wie oft kommt ein Hörsturz vor und wer ist besonders betroffen?

Untersuchungen zufolge erleiden in Deutschland jährlich ca. 16.000 Menschen einen Hörsturz. Pro Jahr sind das 20 Menschen pro 100.000 Einwohner, die von einem Hörsturz betroffen sind. Männer und Frauen leiden gleich häufig unter der Funktionsstörung des Innenohrs. Es kann zwar keine Altersgruppe ausgeschlossen werden, die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche einen Hörsturz erleiden ist aber eher gering. Am Häufigsten sind Personen ab einem Alter von 50 Jahren betroffen,jedoch steigt der Anteil jüngerer Betroffenen an. Dies kann auf eine erhöhte Lärmbelastung in der heutigen Zeit, aber auch auf einen gestiegenen Stresslevel zurückzuführen sein.

Ein Hörsturz bedeutet eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität, so dass eine Behandlung grundsätzlich sinnvoll erscheint. Der Wissenschaft ist es jedoch noch nicht gelungen die Überlegenheit einer speziellen Hörsturz-Therapie nachzuweisen. Diese Unsicherheit aber auch die Tatsache, dass die Ursachen für einen Hörsturz nicht eindeutig bekannt sind, stellt Ärzte und Wissenschaftler vor eine Herausforderung und bietet Raum für viele verschiedene klassische Behandlungsmethoden und Therapieansätze. Ihr HNO-Arzt wird individuell entscheiden, ob eine medikamentöse oder eine psychoanalytische Therapie zielführend ist. In der Regel erfolgt eine Behandlung ambulant - nur in schweren Ausnahmefällen empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt in einer Fachklinik. Übrigens: Nicht jeder Hörsturz bedarf einer Behandlung, z. B. kann sich bei einem geringgradigen Hörsturz eine Besserung von selbst einstellen.


8. Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Folgende Behandlungen werden in der Regel angewendet:
Infusionen mit gefäßerweiternder Wirkung, die den Blutfluss verbessern

Tabletten: Vitamin-B-Präparate, ggf. auch auf der Basis von Cortison oder Procain hergestellte Medikamente. Sie wirken entzündungshemmend und blockieren genau die Nervenzellen, die eine Gefäßverengung im Ohr bewirken.

Intratympale Therapie: Direkte Behandlung der betroffenen Stelle mittels einer Glukokortikoid-Spritze. Diese Methode wird insbesondere bei erfolgloser medikamentöser Therapie angewandt. Eine örtliche Betäubung ist notwendig.

Biomentale Therapie nach Geuel: Psychoanalytischer Ansatz, der die Entspannung von Geist und Körper in den Mittelpunkt stellt. Positives Denken und das bewusste "Ausschalten" von Stressfaktoren werden gefördert.

Daneben sind teils aufwendige Spezialtherapien bekannt, deren Heilungserfolge jedoch unter Experten umstritten sind. Stellvertretend sei die hyperbare Sauerstofftherapie genannt, bei der sich in einer Druckkammer verabreichter Sauerstoff positiv auf den Heilungsprozess im Ohr auswirken soll.

Eine gute und zugleich bemerkenswerte Nachricht ist, dass in rund 50 % aller Hörsturzfälle eine selbstständige Spontanheilung (meist innerhalb von 24 Stunden) dokumentiert wurde.

 

9. Wie kann ich einen Hörsturz vorbeugen?

Erhöhte Blutdruckwerte, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, erhöhter Nikotinkonsum aber auch Diabetes werden für die Entstehung eines Hörsturzes verantwortlich gemacht.

Wurde der Hörverlust durch eine Durchblutungsstörung hervorgerufen, sollten die gleichen Maßnahmen befolgt werden, die auch bei der Vorbeugung eines Herzinfarktes empfohlen werden:

  • Gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig Fleisch und viel Obst und Gemüse
  • Regelmäßige Bewegung
  • Ausreichend Ruhepausen einplanen, Stress vermeiden
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Nikotinverzicht

Außerdem sollte man sich so wenig wie möglich starkem Lärm aussetzen. Bei Situationen in denen sich das nicht vermeiden lässt, wie Konzert- oder Diskothekenbesuche, raten wir dazu einen Gehörschutz zu tragen.


10. Dauerhafter Hörverlust nach einem Hörsturz?

Hörgeräte bieten bei einem dauerhaft verringerten Hörvermögen nach einem Hörsturz den nötigen Ausgleich, um Sprache wieder optimal zu hören und alle Klänge des Lebens zu genießen. Moderne digital programmierbare Hörgeräte gibt es in allen Preisklassen, vom Nulltarif-Gerät bis zum Hörsystem, das sich mit dem Smart Phone vernetzen lässt.

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