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1. Die Auswirkungen der Altersschwerhörigkeit auf Senioren

1. Die Auswirkungen der Alterssschwerhörigkeit auf Senioren
2. Weitere Informationen über das Hören
3. Altersschwerhörigkeit: von der Diagnose zur Rehabilitation
4. Symptome, Ursachen und Prävention 

 

Nach den Schätzungen der italienischen Vereinigung für die Erforschung von Taubheit leidet jeder Dritte der über 60-jährigen und etwa 60% der über 85-jährigen an Altersschwerhörigkeit. In Italien leiden mehr als 7 Millionen Personen an Altersschwerhörigkeit, was zu jährlichen Kosten von 3,6 Milliarden e führt. Diese Summe macht 5 % des Budgets des nationalen Gesundheitswesens aus. Schwerhörigkeit ist eine der häufigsten und am meisten einschränkenden Leiden und tritt bei Männern häufiger auf.

Die Einsatz von Hörsystemen ist die häufigste Therapie zur Wiederherstellung der Hörfähigkeit bei Senioren, während medizinische Behandlungen auf eine kleine Anzahl von sekundären Fällen beschränkt sind, bei denen es um spezifische Pathologien des Ohres und um systemische Erkrankungen geht. Trotz der erwiesenen Wirksamkeit beim Einsatz von Hörsystemen zur Verbesserung der funktionellen Autonomie und der Lebensqualität werden diese viel zu selten benutzt. Personen, die an Hörverlust leiden, beginnen im Durchschnitt erst nach ca. 10 Jahren, nachdem sie sich ihres Hörproblems bewusst geworden sind, ein Hörsystem zu verwenden.

Das Durchschnittsalter der Benutzer von Hörsystemen liegt in Italien bei 74 Jahren, gegenüber einem Alter von 60,5 Jahren in anderen europäischen Ländern. Schließlich wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Personen, die Hörsysteme besitzen, diese nicht oft genug verwenden.

Sicherlich mag es Hemmnisse für die Benutzung von Hörsystemen geben: die Tatsache, dass die Schwerhörigkeit aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit seitens der Person selbst, seitens Familienmitgliedern und seitens des Arztes nicht diagnostiziert wird; dass die Person die Hörsysteme, deren Bedienung eine gewisse "Eingewöhnungszeit" erfordert, nicht korrekt bedienen kann; dass diese Eingewöhnungszeit durch Ungeduld, mangels manueller Geschicktheit und aufgrund von Intoleranz nicht eingehalten wird; dass die Eingewöhnungszeit als Ausrede dafür verwendet wird, das gesellschaftlich belächelte Gerät nicht zu benutzen; die negativen Konnotationen, die mit Hörsystemen verbunden sind, so dass die Verwendung oft mit Schamgefühl einhergeht; eine lange Eingewöhnungszeit und unregelmäßige Benutzung, die keinen ordnungsgemäßen Abschluss der Eingewöhnungszeit ermöglicht; hohe Kosten; mangelndes Verständnis der klinischen und sozialen Folgen von Schwerhörigkeit.
Senioren, die an Hörverlust leiden, haben Schwierigkeiten beim Verstehen und beim Gespräch mit Familie und Freunden. Das Interesse am Radiohören oder Fernsehen verringert sich ebenfalls. Dieser Zustand führt oft zu sozialer Isolation und einem Interessenverlust an Aktivitäten. Ältere Personen, die unter solchen Umständen leben, verlieren nach und nach ihre Selbstachtung, werden apathisch, was oftmals zu depressionsähnlichen, emotionalen Störungen führen kann. In einer Studie, die an 1.328 Personen im Alter von 60 Jahren und älter durchgeführt wurde, wurde das Vorhandensein von depressionsähnlichen Symptomen mit einer geringgradigen beidseitigen Schwerhörigkeit in Verbindung gebracht. Diese Verbindung machte sich besonders bei Frauen unter 70 Jahren bemerkbar. Von der häufigen und regelmäßigen Verwendung von Hörsystemen wurde dagegen befunden, dass sie das Risiko der Entwicklung von depressionsähnlichen Symptomen senke. Es ist klar, dass von allen Sinnen das Hören eine Voraussetzung für gute soziale Interaktion ist, und dass es negative Auswirkungen auf den emotionalen Zustand der einzelnen Person haben kann, wenn es beeinträchtigt ist.

Die jedoch schwerwiegendste und am meisten unterschätzte Folge ist das Unvermögen von älteren Menschen, aufgrund von Schwerhörigkeit zu verstehen. Dies führt zu kognitiven Störungen, die sich auf das Gedächtnis, auf die Aufmerksamkeitsspanne und auf das verbale Verständnis auswirken und in einem schweren Verwirrungszustand resultieren können. Die beschriebenen kognitiven Probleme können mit dem Unvermögen in Verbindung gebracht werden, richtig zu hören, zu verstehen und damit neue Informationen aufzunehmen. In dieser Situation verschwinden die oben beschriebenen kognitiven Störungen, nachdem die Hörschwäche korrigiert wurde. Es wurde jedoch angedeutet, dass Schwerhörigkeit mit dem erhöhten Risiko einer echten kognitiven Beeinträchtigung einhergehen könnte. Lin und seine Kollegen führten zwischen 1990 und 1994 eine Beobachtungsstudie an 639 Personen durch, die nicht an Demenz litten. Die Probanden wurden Hörtests unterzogen, um herauszufinden, ob sie unter einer Hörschwäche litten. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum erstreckte sich auf ungefähr 12 Jahre. Auf Grundlage der Ergebnisse war das Risiko der Demenzentwicklung bei Personen mit Schwerhörigkeit doppelt so hoch wie bei Personen mit niedriggradiger Schwerhörigkeit. Das Risiko stieg bei Personen mit mäßiger Schwerhörigkeit um das Dreifache und bei Personen mit gravierender Schwerhörigkeit um das Fünffache. Es wurden verschiedene Hypothesen zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen Schwerhörigkeit und Demenz entwickelt. Die gleichen pathogenen neurodegenerativen Mechanismen, die bei verschiedenen Arten von Demenz, wie etwa Alzheimer, festgestellt wurden, könnten auch den Veränderungen im zentralen Gehörsystem zugrunde liegen. Schwerhörigkeit könne auch zum Abbau der kognitiven Reserven durch die Umverteilung von Neuronen führen, die beim Hörvorgang benutzt werden. Diese Phänomene könnten während der klinischen Phase zu einer frühzeitigen Demenz führen. Schließlich wurde bis jetzt noch nicht festgestellt, ob Faktoren, welche das vaskuläre Risiko erhöhen, wie etwa Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Polymorphismus von Apolipoprotein E, einem bekannten Faktor bei Demenz, Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko in Verbindung mit Gehörverlust haben.

Die wissenschaftlichen Beweise weisen auch auf eine weitere Situation hin, die missverstanden wird und folgenschwer sein kann: Schwerhörigkeit ist mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden. Stürze, die oft zu einer Femurfraktur führen, sind eine der primären Ursachen für Behinderungen bei älteren Menschen. Eine umfassende Beobachtungsstudie, die National Osteoporosis Risk Assessment-Studie, die an mehr als 66.000 nicht in Einrichtungen lebenden Frauen nach der Menopause durchgeführt wurde, stellte 18 Risikofaktoren für Stürze fest. Schwerhörigkeit erhöhte bei den an der Studie teilnehmenden Personen das Risiko eines Sturzes um ungefähr 20 %. Das Hören trägt zur Fähigkeit bei, Geräusche wahrzunehmen und zu identifizieren, die dem Individuum helfen, sich räumlich zu orientieren. Liegt eine Schwerhörigkeit vor, kann dies auch Störungen des Vestibularsystems verursachen, welches direkt mit dem Gleichgewichts- und Stabilitätssinn in Verbindung steht.

Hörverlust ist eine Behinderung bei älteren Menschen und hat beträchtliche Auswirkungen auf die Lebensqualität des Individuums. Er ist eine somatische Erkrankung, die auf die betroffene Person eine signifikante klinische, psychologische und sozio-ökonomische Auswirkung haben kann. Die notwendigen Schritte zur Vorbeugung von Schwerhörigkeit bei Senioren und zur Erleichterung einer frühen Diagnose müssen als Teil der öffentlichen Gesundheitsprogramme gefördert werden, um die sozialen und wirtschaftlichen Kosten zu senken, die mit diesem Leiden in Verbindung stehen.
Wir können nicht länger untätig sein und müssen Maßnahmen ergreifen, um die einzelnen Personen von der Wichtigkeit der Benutzung von Hörsystemen zu überzeugen, um die Folgen von Schwerhörigkeit zu vermeiden. Dies gilt insbesondere in Anbetracht einer alternden Bevölkerung und der in die Höhe schießenden Zunahme der Anzahl an Personen mit Hörproblemen.

 

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Dies ist die Webversion des Konsensuspapieres.
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